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Unheimliche Gedichte

Manfred Poser, der Kolumnist, fing vergangene Weihnachten plötzlich zu reimen an, spät im Leben. Ein Blick in die Werkstatt

Ein Anruf (Aquarell: Manfred Poser)Es hat wohl eine längere Inkubationsphase gegeben. An Weihnachten hatte ich plötzlich Lust, zu dichten. Also richtig zu dichten. Mit Reim. Diese Kolumne ist bisweilen ja auch so etwas wie ein Tagebuch; am 20. November 2009 hatte ich über russische Lyrik geschrieben, am 4. Dezember über Parallellinien und am 16. April 2010 »Und wieder wiederholt sich was«. Dann kamen die altarabischen Philosophen.


Manfred von Hohenstaufen

Manfred Poser erzählt das Leben des Königs von Sizilien, des berühmten Sohnes von Stauferkaiser Friedrich II.

Manfred von HohenstaufenSeit ein paar Jahren verfolgt mich der Gedanke, eine Zeitlang in Manfredonia in Apulien leben zu wollen, an der Adriaküste. Nun, da dieser Beitrag erscheint, bin ich vielleicht gerade dort, jedoch auf der Durchreise; oder schon wieder weg. Warum sollte Peter nicht in St. Petersburg leben oder Heide in Heidelberg? Statt sich von den Gegebenheiten leiten zu lassen, würde man dem Gleichklang den Vorzug geben wie der Lyriker, der sich dem Reim unterwirft (dazu mehr in 14 Tagen). Wörter besitzen Magie, unser Name ist ein untrennbarer Teil unserer Persönlichkeit, und ich halte es nicht für unmöglich, dass die Gesetze der Welt nicht nur der Logik folgen, sondern auch dem Wohlklang und der Ähnlichkeit.


Max Frisch, persönlich

Manfred Poser erweist Max Frisch zum 100. Geburtstag eine längst fällige Reverenz

(Foto: Max-Frisch-Archiv, Zürich; mit freundlicher Genehmigung des Museums Strauhof)Es war an Allerheiligen 1986. Ich unternahm eine zweiwöchige Reise durch die Schweiz mit einem Abonnement der Bahn und stieg in kleinen Hotels ab. Traumhafte Spätherbsttage. Das Wasser des Genfer Sees glitzerte, die Sonne schien warm und die Fächer der Palmen wiegten sich im lauen Wind. Gegen Abend suchte ich eine Unterkunft, ging eine steile Straße hinauf und stand vor dem Hotel Mont-Fleuri in Montreux-Glion. Am Empfang war niemand, nur im Hof war das Kratzen eines Rechens auf Beton zu hören. Dann kam ein drahtiger, weißhaariger Mann herbei und vermietete mir ein Zimmer. Ganz oben, meinte er, habe Max Frisch das letzte Kapitel seines Romans Stiller geschrieben.


Versuch über die Verzauberung

Fünftausend Jahre ›Reisen in die Tiefe‹ der Fantasie

Der Maya-Codex Tro-CortesianusZumindest Kinder dürfen in unseren kulturellen Breitengraden noch fantasieren, ohne schief angesehen zu werden; aber dass sie die Dingwelt als belebt und magische Kräfte als real erfahren, beweist eben ihre ›kindliche Unreife‹. Wer noch als Erwachsener fantastische Gegenwelten als andere Wirklichkeiten wahrnimmt, kann allenfalls mit seelenheilkundlichem Interesse rechnen. Das war nicht immer so, im Gegenteil. Die Einbildungskraft galt während des größten Teils der Menschheitsgeschichte als Passage zu anderen Welt- und Wirklichkeitsdimensionen. Schamanen und Seher unternahmen ›Seelenflüge‹ in ›jenseitige‹ Sphären und kehrten mit Botschaften vermeintlicher Götter oder Ahnengeister zurück. Doch nicht allein diese frühzeitlichen Fantasiereisenden, die ihre Einbildungskraft oftmals noch mit Trancetechniken, speziellen Rauschmitteln und Meditationsformen befeuerten, sondern die meisten ihrer Zeitgenossen verfügten über Sensorien, die der heutige ›gesunde Menschenverstand‹ eher bei Geisteskranken vermutet


Der Gral und die Religion

Manfred Poser schließt seinen Gralszyklus ab und kehrt zurück in den Schoß der Kirche

(Foto: Manfred Poser)In einigen Sagen kehrt der Gral (oder bei Parzival der Stein der Weisen) wieder in den »Osten« zurück und verbleibt dort an unbekanntem Ort. Wir werfen noch einmal einen Blick auf den persischen Sufismus des Mittelalters. Sohrawardi, Ibn Arabî und Rūmī lebten eben zu der Zeit, als die Gralserzählungen geschrieben wurden.


Der Gral und die Literatur

Manfred Poser entdeckt den Gral in einigen Büchern und Filmen

(Foto: Manfred Poser)Der Gral steht für das Göttliche in der Welt. Seine Geschichte ist ein verzweigter Mythos und gehört zur Literatur. Arthur Edward Waite schreibt in seinem 680 Seiten starken Buch The Hidden Church of the Holy Grail (1909): »Der Gedanke an die Ewigkeit steigt vom Heiligen Gral auf, ebenso wie von jeder Literatur höchster Prägung.« Am ansprechendsten sei Literatur, wenn sie nach den ewigen Dingen suche. »Ich komme also zu dem Schluss, dass der Geist der Heiligen Suche uns beim Studium der Literatur der Gralssuche ebenso begleitet, als wenn wir tatsächlich aufbrechen würden, um die Gralsburg, den Kelch, den Schwert und die Lanze zu erobern.« Spirituelle Ritter, lesende Abenteurer sind wir.


Der Gral und seine Quellen

Manfred Poser wirft einen Blick auf die literarischen Ursprünge des Gral

(Foto: Manfred Poser)Es wird wohl nötig sein, den ganzen Sagenkreis zu durchschreiten, der zum Heiligen Gral und zu Parzival führte. Wir brauchen die äußere Handlung, erst danach können wir uns dem Geheimnis widmen. – Fangen wir bei König Arthur (oder Artus) an, der die legendäre Tafelrunde unterhielt. König Arthur ist eine mythische Figur keltischer Sagen. Er soll der Sohn von Uther Pendragon und der Königin Igraine von Cornwall sein. Der historische Arthur muss Ende des 5./Anfang des 6. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung gelebt und die sächsischen Invasoren am Hadrian-Wall bekämpft haben.


Ivanhoe oder: Alles ist vertauschbar

Manfred Poser analysiert den berühmtesten Ritterroman überhaupt und hält das Leben für eine Verwechslungskomödie

Ritter Konrad von Haltenberg (rechts) in der offenen Feldschlacht (Foto: Konrad Federl)Nach meiner ersten Berührung mit der Gralssage in Rom wollte ich mehr über die Ritter erfahren. Als ich neun oder zehn Jahre alt war, las ich begierig und mehrmals einen Comic über Prinz Eisenherz, der lange schwarze Haare hatte, an der Stirn zu einem Pony geschnitten (so einen hatte ich dann auch, als ich zwanzig war). – Um sich der mittelalterlichen Ritterschaft zu näher, kann man kein besseres Buch lesen als den Ivanhoe von Sir Walter Scott, der im Jahr 1195 spielt. Vollendet wurde das Buch 1830; aber Sir Walter war ein großer Mediävist, und erst der zeitliche Abstand führt, bei allen Verzerrungen, zu einer gewissen Objektivierung.


Der Gral in Rom

Manfred Poser las über den Gral – und bekam in Rom prompt einiges zu sehen

(Foto: Manfred Poser)Was steckt hinter den Schleiern? Wir verlassen nun die Welt der Frauen, Arabien und das erste Millennium, bewegen uns zeitlich voran und landen an der Schwelle des 13. Jahrhunderts. Es könnten die Jahre von 1190 bis 1210 sein. Unsere Suche nach dem Verborgenen bringt uns zum Rittertum. Das Visier ist der Schleier des Rittersmanns. Wir werden uns in den nächsten Teilen mit dem Conte du Graal von Chrétien de Troyes beschäftigen und dem Parzival des Wolfram von Eschenbach. Die große Zeit der Gralsromane sind die Jahre zwischen 1170 und 1220.


Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen

Vom 4. Februar bis 15. Mai 2011 zeigt das Wallraf-Richartz-Museum in Köln eine Symbiose zwischen der Kunst Alexandre Cabanels und seinem heutigen Bewunderer Christian Lacroix

Zum ersten Mal präsentiert das Wallraf-Richartz-Museum in Köln eine eigene Ausstellung zu Alexandre Cabanel, einem der wichtigen Salonmaler des 19. Jahrhunderts. In der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Musée Fabre in Montpellier, der Heimatstadt Cabanels, entstanden ist, können die Besucher mehr als 60 Werke des eher unbekannten Malers entdecken. Zum ersten Mal präsentiert das Wallraf-Richartz-Museum in Köln eine eigene Ausstellung zu Alexandre Cabanel, einem der wichtigen Salonmaler des 19. Jahrhunderts. In der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Musée Fabre in Montpellier, der Heimatstadt Cabanels, entstanden ist, können die Besucher mehr als 60 Werke des eher unbekannten Malers entdecken. Cabanel war Künstler und Repräsentant der akademischen Malerei sowie offizieller Institutionen wie der Académie des Beaux-Arts und dem Pariser Salon. Er gilt als der radikalste Vertreter der feinen Malerei.


 

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