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Jenseits von Rungstedlund

Manfred Poser erinnert an die große Erzählerin Karen (Tania) Blixen

»I had a farm in Africa, at the foot of the Ngong Hills.«

Das ist der erste Satz der Erzählerin zu Beginn des Films Jenseits von Afrika (Out of Africa), der vor 25 Jahren, am 18. Dezember, Premiere feierte und dann im März 1986 in die deutschen Kinos kam. Ich habe ihn damals in Hamburg mit einer Frau gesehen, in die ich sehr verliebt war, doch die Geschichte ging nicht gut aus; der Film ebenfalls nicht, denn Denys Finch Hatton, der Geliebte der Erzählerin, stirbt bei einem Flugzeugunglück. Der Regisseur war Sydney Pollack, die weibliche Hauptdarstellerin Meryl Streep, und Robert Redford spielte Finch Hatton. Der Film kostete 31 Millionen Dollar und spielte 87 Millionen ein.


Gimmicks für Geisteswissenschaftler – und noch mehr?

Der Kölner Kongress für Absolventen: Ein Messebesuch aus geisteswissenschaftlicher Perspektive

Aus ganz Deutschland strömten am 24. und 25. November junge Menschen zum Absolventenkongress auf das Kölner Messegelände. Die herausgeputzten Absolventen und Young Professionals waren alle auf dem Weg zur Halle 8, in der die größte deutsche Jobmesse stattfand. Dort präsentierten sich in diesem Jahr 250 Unternehmen.


Nachtrag zu Tolstoj

Manfred Poser ist mit anderen der Meinung, dass Lew Nikolajewitsch Tolstoj mehr war als ein begeisterter Radfahrer

Am heutigen 26. November ist der bundesweite »Tag des Vorlesens«. Da fällt mir ein, dass ich vor rund 20 Jahren meiner damaligen Partnerin ausgiebig aus Krieg und Frieden von Tolstoj vorgelesen habe, ich glaube, die ersten 50 Seiten mit dem Ball bei der Baronin Scherer. Die noch fehlende Kleinigkeit von 1400 Seiten habe ich natürlich auch genossen. Und erst vor zehn Tagen las ich den kleinen Töchtern meines Cousins in Bayern ein Kinderbuch vor, das von einem Löwen handelte, der verliebt war und seiner Löwin einen Liebesbrief schicken wollte, aber nicht schreiben konnte. Zum Glück bekommt er am Ende Privatstunden von ihr. Es ist schade, dass man so wenig vorliest.


Ta’wîl

Manfred Poser macht sich anhand der frühislamischen ›spirituellen Exegese‹ Gedanken über das Verborgene

Unlängst las ich zwei Bücher von Henry Corbin: seine Werke über die arabischen Philosophen Avicenna (980–1037) und Ibn Arabî (1165–1240). Corbin, Professor für Orientalistik an der Pariser Sorbonne, der von 1903 bis 1978 lebte, hat das Verdienst, gezeigt zu haben, dass im Mittelalter auch im Nahen Osten philosophiert wurde. Bei Avicenna und Ibn Arabî taucht immer wieder ein Schlüsselbegriff auf: ta’wîl. Das ist die spirituelle Hermeneutik oder Exegese (Auslegung), die einen Sachverhalt auf seinen Archetypus zurückführen möchte. Zwei weitere Begriffe sind noch wichtig: zâhir und batîn. Das erste Wort bezeichnet das Exoterische – das, was man vor Augen hat –, das zweite das Esoterische: was sich dahinter verbirgt.


Angst als Dialektik des inneren und äußeren Erlebens - das Alter

Man könnte sich keine gegensätzlicheren Frauen vorstellen. Simone de Beauvoir und Friederike Mayröcker: Beide Frauen müssen schreiben über Dinge, die sie beschäftigen. Die eine über soziale Missstände und Ungerechtigkeit. Die andere über sich. Beide schreiben aus unterschiedlichen Perspektiven über den Körper. Simone de Beauvoir untersucht und zerlegt, sie befragt und kritisiert. Ihre Studie »Das Alter« ist radikal und unverblümt. Aus Friederike Mayröcker fließen die Worte heraus, sie verbastelt Gefühl mit Lauten. Immer häufiger beschäftigt sie sich mit dem Altwerden; und mit der Angst als etwas basal Menschlichem.


Carlo Levi und die »Angst vor der Freiheit«

Ein italienischer Intellektueller während des Faschismus

Im Laufe der Geschichte wurde immer wieder von Schriftstellern, Künstlern und Philosophen versucht, das strittige Thema Angst zu definieren. Es wurde niemals eine definitive Antwort gegeben, hinter jedem Vorschlag bearbeitete jeder Autor seine eigene Definition, die zugleich in kritischen als auch narrativen Schriften eine neue Weltanschauung zeigen wollte.


Der Jenseits-Code

Manfred Poser sieht Halloween und Allerheiligen nahen und ergreift die Chance, wieder einmal übers Jenseits schreiben zu können

Die Feste für die Toten stehen vor der Tür: Allerheiligen und Allerseelen. Halloween ist damit verwandt; der italienische Volkskundler Carlo Ginzburg hat darüber in seinem Buch Hexensabbat geschrieben. Der November ist der Totenmonat, und darum darf es wieder um die Welt hinter dem Vorhang gehen. Im nächsten Mai möchte ich bei einer Parapsychologie-Konferenz in Rom über die Jenseitsforschung sprechen, und der jetzige Beitrag ist dafür eine gute Vorarbeit.


On the road

Teenage Ennui und Angst bei Bret Easton Ellis’ Less Than Zero und Christian Krachts Faserland

Sowohl Bret Easton Ellis’ Debütroman Less Than Zero, den er 1985 als 21jähriger Collegestudent publizierte, als auch Christian Krachts Erstlingswerk Faserland (1995) schlugen bei ihrer Veröffentlichung hohe Wellen. Die meist unsachlich geführten Debatten der Literaturkritik ließen jedoch häufig die schlichte Erkenntnis vermissen, dass beide Romane die Geschichten von jungen Männern erzählen, die trotz finanziellen Reichtums arm sind an Freundschaft, Liebe und zwischenmenschlicher Nähe.


Böse Hexen und dunkle Wälder

Die Angst im Volks- und Kunstmärchen

Es bedarf keiner langen Überlegungen, um an jene der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen zu erinnern, in denen das Motiv der Angst eine tragende Rolle spielt. Etwa Hänsel und Gretel, jene Geschichte zweier Kinder einer armen Holzhackerfamilie, die, von den Eltern aus finanzieller Not in die weite Welt ausgeschickt, sich auf ihrem Weg im Wald verirren und dort von einer bösen Hexe beinahe verspeist werden.


Fremde Götter

Manfred Poser knüpft an Lessing an und spürt dem/n Fremden nach

In der berühmten Ringparabel, die Nathan der Weise in Lessings gleichnamigem Theaterstück dem Saladin erzählt, geht es um einen König, der einen Ring mit einem Opalstein besitzt. Dieser Ring macht geneigt vor Gott und den Menschen. Da der König seine drei Söhne gleichermaßen liebt, lässt er zwei Duplikate anfertigen. Die Söhne erfahren davon erst nach seinem Tod und ziehen vor den Richter. Wer hat den echten Ring? Der Unparteiische, ebenfalls ein weiser Mann, sagt, sie möchten sich nur recht Mühe geben, zu lieben und geliebt zu werden; später, »tausend tausend Jahre später«, werde ein anderer entscheiden, wer den rechten Gott hinter sich gehabt habe.


 

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