Inhalt abgleichen

Zum Begriff der Angst

Teil II: Heidegger und Freud

Die ersten säkularen oder diesseitigen Versuche einer Angstbestimmung wurden von Freud 1926 und dann von Heidegger 1927 unternommen. Stillschweigend übernehmen beide Autoren Kierkegaards Unterscheidung einer Furcht, die sich auf einen bestimmten Gegenstand richtet, und einer Angst, die keinen Gegenstand hat. Beide führen diese sprachliche Unterscheidung auf eine im deutschen Sprachgebrauch gängige zurück. Überdies bestehen jedoch grundlegende Unterschiede in den Angstanalysen der beiden Zeitgenossen.


Zum Begriff der Angst

Teil I: Aristoteles, Augustin und Kierkegaard

Vor Angst stockt uns der Atem und klopft uns das Herz, die Angst lähmt uns zugleich und setzt uns in Fluchtbereitschaft, sie liefert das Adrenalin für das Leben und hindert uns, dieses voll zu genießen. Diese zwischen Nervenkitzel und Phobie schwankende Ambivalenz verlangt nach einer Erklärung. Bei allen unerwünschten Erscheinungen ist die Angst offenbar dann ein wünschenswerter Zustand, wenn ihr Ausmaß bestimmbar und die Gefahren abschätzbar sind. So bietet die Unterhaltungsindustrie Geisterbahnen, Extremsport und Horrorfilme, die in kontrolliertem Rahmen Angst einflößen. Gemäß Stephen King sehnen wir uns aus drei Gründen nach Horrorfilmen: Um zu zeigen, dass wir keine Angst haben, um das Gefühl des Normalseins wiederzuerlangen und um Spaß zu haben. Eine postmoderne Auffassung wie die von Stephen King versteht sich in einer langen Tradition der Angstanalysen im Abendland, welche von Aristoteles über Augustin, Kierkegaard und Heidegger bis hin zu Freud reicht


Lessing!

Manfred Poser findet, dass Gotthold Ephraim Lessing nicht vergessen werden darf

Vor drei oder vier Wochen hatte ich mich viel mit Lessing beschäftigt und wollte über ihn schreiben. Drei Bände seiner Gesamtausgabe nahm ich sogar mit an die Ostsee; zum Lesen und Schreiben kam ich jedoch nicht. Warum habe ich den Artikel nicht gleich geschrieben? Um es mit Lessings Worten zu sagen: »Auf dieses Warum weiß ich kein Darum.« Warum ich über ihn schreiben wollte, weiß ich aber sehr wohl.


Afghanistans »Gerettete Schätze«

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt die Sammlung des Nationalmuseums in Kabul und vermittelt Kunst und Kultur eines präsenten und doch so fernen Landes

Afghanistan – dieser Name ist uns geläufig. Fast täglich hören wir ihn in den Nachrichten und assoziieren mit ihm das, was die Medien vermitteln: Gefahr und Krieg. Die Bilder dieses Landes haben wir in unseren Köpfen abgespeichert. Sie sind geprägt von Leid, Armut und Leere. Wir sehen karge Landschaften, Wüste und immer wieder Soldaten, Verwüstungen und hilflose oder gewalttätige Menschen. Doch verbirgt sich hinter den Bergen nicht noch mehr? Was meint der Titel der Bonner Ausstellung »Gerettete Schätze«?


Ostsee/Literatur

Manfred Poser war an der Ostsee und stieß dabei ganz ungewollt auf literarische Fährten

Acht Tage war ich in ziemlich weit oben in Deutschland. Ich kannte nichts von der Ostsee und musste Berlin wiedersehen, und beides wollte ich auch meiner Mutter zeigen, als Geburtstagsgeschenk. Der goldene Volvo trug uns hinauf. Nun könnte ich diese Reise auf verschiedenen Ebenen schildern: als anstrengende Wander-Reise mit dem Erlebnis Meer und Landschaft; als innere Pilgerreise mit menschlichen Begegnungen; als Fahrt durch ein immer effizienter und konsumverliebter werdendes Land. Das wären drei unterschiedliche Reisen.


Ein Sommer mit Kikujiro

Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt

Kitano par Kitano (Cover; Ausschnitt)Noch vor Sommerbeginn las ich in einem Satz die vielen Sätze des Buches Kitano par Kitano, in diesem Jahr bei Bernard Grasset in Paris erschienen. Dann legte ich es auf einen Stapel, und immer wenn ich vorbeikam, fiel mein Blick auf Takeshi Kitanos Gesicht auf dem Titelbild: Er hält sich das linke Auge zu und trägt eine unergründliche Maske zur Schau wie der blinde Masseur Zatoichi in seinem Film von 2003. Der französische Journalist Michel Temman lebte zufällig in Kitanos Nähe und unterhielt sich über vier Jahre hinweg mit ihm; daraus wurde dieses Buch ...


»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«

Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie

Es erfordert allerhöchste Sorgfalt der recht schwierigen Problematik ›Carl Schmitt‹ mit biografischen Mitteln gerecht zu werden. Die Belobigung mancher Rezensenten, Reinhard Mehring habe die bisher beste Biografie Schmitts geliefert, scheint dieses Kriterium außen vor gelassen zu haben. Die zweigleisige Verfahrensweise des Biografen erweckt jedoch ernsthafte Zweifel, dass diese Biografie es schafft, Schmitt und sein Werk ins rechte Licht zu rücken.


Objektwelt und Traumwelt

Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?

(Foto: Manfred Poser)Es gibt eine neue philosophische Richtung. Sie heißt Object-oriented ontology oder kurz OOO. Die Objektorientierte Ontologie ist am 23. April mit einem Einweihungs-Symposium an der Georgia-Tech-Universität aus der Taufe gehoben worden. Teilnehmer waren Graham Harman, der an der amerikanischen Universität Kairo lehrt und den Begriff schuf, Ian Bogost, Levi Bryant und Steven Shaviro, ein großer Kant- und Whitehead-Experte (immer lesenswert, wenngleich »langfädig«: sein Weblog). Sie sind die Hauptvertreter der neuen Philosophie ...


David, Jan und Elvis

Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt

Jan Paulsen (Foto: Manfred Poser)Vier Wochen lang war ich mit dem Fahrrad, Zelt und Schlafsack in Deutschland, Dänemark und Südschweden unterwegs. Ich stellte mir vor, ein Sufi-Mönch zu sein, und kannte natürlich die Essays von Hakim Bey über Sufi-Reisen (etwa diesen hier). Der Mönch fährt los und schaut, was ihm begegnet. Alle Erfahrungen und Koinzidenzen sagen ihm etwas über seinen spirituellen Zustand – und über die Organisation der Welt. Der Reisende ist immer bereit, anderen sein »baraka« (Segen) zu spenden. Ich war oft gut gelaunt und freute mich, wenn etwas gut lief, ich tat kund, wenn mir das Essen schmeckte oder ich glücklich war, einen Campingplatz erreicht zu haben. Ich war spontan und sprach aus, was mir in den Sinn kam. Oft habe ich dann bemerkt, wie der Gesprächspartner strahlte; dann war mein Segen angekommen ...


Das neue Denken

Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt

(Foto: Manfred Poser)Bei meinem netten Buchhändler Herrn Eberth in Heitersheim aus der Ramschkiste gefischt: »Das neue Denken«, dtv-Taschenbuch von Fritjof Capra, erschienen 1992. Das lesend, spürte ich wieder die Begeisterung, die mich in jenem meinem ersten Jahr in Freiburg am Institut (1992) bei der Lektüre der Bücher aus den 1980er Jahren beseelt hatte. Die Quanten waren Zen-Buddhismus, jüdische Mystik und Novalis in einem! Capra, der Innsbrucker, spricht in dem Buch mit Gregory Bateson, Krishnamurti, Werner Heisenberg, Stanislav Grof und Ronald D. Laing ...


 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Germanistik & Literatur« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!