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Just left the building: Max von der Grün

An ihm kam in den 60er/70er Jahren kein engagierter Arbeiter und/oder Schriftsteller und kommt bis heute (zum Glück) kaum ein Schüler vorbei:

Das Erkennungszeichen der 'Vorstadtkrokodile' aus v.d. Grüns bekanntestem Werk[...] Max von der Grün war ein arrivierter Autor, seine Geschichten wurden verfilmt, Rainer Werner Fassbinder ließ sich von ihnen für seine Serie "Acht Stunden sind kein Tag" inspirieren.


Just left the building: Thomas Kling

Vergangenen Freitag starb der Schriftsteller Thomas Kling, einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartslyriker, im Alter von 47 Jahren an Lungenkrebs.

Thomas Kling war von seiner poetischen Sendung nicht minder überzeugt als jener Gastwirtssohn aus Bingen, der als Stefan George berühmt wurde. Schließlich legte er, Thomas Kling, Wert darauf, auch, nämlich 1957, in Bingen geboren zu sein. Schließlich hatte er, als Mittdreißiger, bereits seine Epigonen, Klingonen genannt, die er förderte und, gar nicht insgeheim, verachtete.

Er besaß die Chuzpe, seine Konkurrenten, selbst seine toten, zu verspotten. So Ingeborg Bachmann, der er "artifizielle Schneewittchenhaftigkeit" attestierte. Thomas Kling besaß ein starkes, lustbetontes Selbstgefühl, das seiner Vitalität entsprach: "Ich finde das richtig klasse, Dichter zu sein: Dichter müssen spekulieren."


Über Gründer und andere Buchmessenwunder

Leipziger Buchmesse 2005Nein, über die Buchmesse zu berichten, das habe ich nicht vor, sagte ich auf die Frage hin, ob ich für die Kritische Ausgabe darüber schreiben würde. Denn eigentlich gibt es nicht wirklich etwas zu berichten, was nicht schon in der Tagespresse gestanden hätte. Natürlich sieht jeder die Dinge anders, aber ob deshalb gleich jeder etwas Wissenswertes zu den schon genannten Fakten hinzufügen kann, ist fraglich. Und so lasse ich denn auch die meisten Lesezeichen, die man mir unter die Nase gerieben hat, einfach in der Hand dessen, der dafür Geld bekommt, sie in das ein oder andere Feuilleton einzustreuen. Ähnlich die Verlagsprospekte, die spätestens vor der Frankfurter Messe endlich, meist ungelesen, ins Altpapier wandern, obwohl ich unter ihrer Last in den Leipziger Messehallen wahrlich geschwitzt habe. Nein, über dies alles berichten zu wollen, wäre ein Anfängerfehler, wie ihn viele begehen, die die Messe als unerhörte Begebenheit wahrnehmen. Ihre Besonderheit gibt sie aber wohl nur jenen preis, die sich ihrem jährlichen Turnus nicht schon selbst angepasst haben...

Natürlich habe ich einige der vielen, vielen Events und Happenings, Lesungen, Preisverleihungen und Empfänge besucht und mich nur selten gelangweilt, doch was gibt es von einer Lesung schon groß zu berichten? Und was hilft es, wenn ich Ihnen erzähle, dass die Messe dieses Jahr auf vier statt zwei Hallen verteilt, die Ausstellungsfläche allerdings nicht doppelt so groß war, obwohl die vier Hallen gleichgroß sind? Interessant daran ist eigentlich nur, dass dadurch der typischen Messeverstopfung vorgebeugt wurde, denn die Gänge sind um einiges breiter gewesen. Was freilich nicht vor den penetranten Aufforderungen der Druckkostenzuschussverlage ("Schreiben Sie doch mal ein Buch!") schützte, die erfahrungs- und erwartungsgemäß in Leipzig viel stärker vertreten sind als in Frankfurt.

Gründen, gründen, gründen! - © Leipziger MesseDas Hauptaugenmerk auf dieser Messe gehörte jedoch zweifellos den jungen Verlagen, auch "Independents" genannt – Unabhängige. Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Verlage gegründet. Ja, trotz des ständig beschworenen Lebens im Jammertal zwischen Polen und Frankreich, Dänemark und der Schweiz, gibt es Menschen, die sich nicht entmutigen lassen - und gründen! Auf der Diskussionsveranstaltung Gründerzeit. Independents im Aufwind wurde unter anderem darüber gesprochen, wieviel Geld man brauche, um einen Verlag zu gründen. Ergebnis: 50.000 Euro, ersatzweise "eine Wiese im Taunus", wie Klaus Wagenbach vom gleichnamigen Verlag und Daniela Seel von kookbooks übereinstimmend feststellten. Auf konkurrierende Vorstellungen, dass das Grundkapital sich doch besser auf 20 Millionen belaufen sollte, entgegnete Wagenbach in der ihm eigenen charmant-rauhbeinigen Art, dass Leute, die sowas behaupten, Marktführer werden wollten, mit schlechten Büchern, die man nur ein Jahr lang verkaufen könne. Außerdem stünden Banken Verlagsgründungen generell eher skeptisch gegenüber. Aber sollen sich die Großen ruhig weiter darum zanken, wer die meisten Bücher verkauft - denn wer gut gemachte und schön gestaltete Bücher mag, wird an den jungen, unabhängigen Verlagen sicher seine Freude haben, sofern sie es denn in die Buchhandlungen schaffen...


Unkaputtbar! Harry Rowohlt wird 60

»[...] Dabei bin ich überhaupt nicht sauer, wenn Leute in der Lesung sind, die ich nicht kenne, im Gegenteil. Wenn man jemanden kennt, muss man mit dem nach der Lesung noch einen saufen gehen, und ich sauf ja bereits während der Lesung und plane das in der Regel so, dass ich erst zehn Minuten nach Ende der Lesung besoffen bin. Wenn mich jemand bucht, muss er damit rechnen, dass ich möglicherweise verkatert, aber stocknüchtern zur Lesung erscheine, denn erscheint man bereits besoffen zur Lesung, ist das Beschiss am Publikum. Das Publikum muss miterleben können, wie man sich zugrunde richtet. Und sich nach Möglichkeit auch selbst zugrunde richten. Deshalb lese ich besonders gern in Sälen, Hallen oder Buchhandlungen, wo Gastronomie vorhanden ist, damit man sich nicht allein zum Affen macht, sondern damit das Publikum auch Gelegenheit bekommt, sich zu blamieren.«

Ein Unverwüstlicher und sein Mythos: Harry Rowohlt, gefeierter Übersetzer, Schriftsteller, Hörbuchsprecher und Fernseh-Penner, wird 60!

Ein dreifach Hoch & Prost! ;)


Kurt-Wolff-Preis 2005

Stefan Weidle und sein VerlagDer Bonner Weidle-Verlag hat den mit 26.000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis 2005 erhalten. Die Preisverleihung fand auf der Leipziger Buchmesse statt.

In seiner Laudatio würdigte Tilman Spreckelsen vor allem den Mut des Verlegers Stefan Weidle, "literarische Nischen" auszuloten, d.h. zum einen Werke vom Vergessen bedrohter deutscher Exil-Schriftsteller der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zum anderen aber auch neuen Autoren und Künstlern eine Chance zu geben, und dies stets, wie es in der Begründung der Kurt-Wolff-Stiftung heißt, mit "dem Anspruch inhaltlicher und gestalterischer Perfektion". Denn:

»Seine Begeisterung versteht Stefan Weidle zu vermitteln, seinem Instinkt für literarische Qualität vertraut er zurecht, seine Bücher schlagen zuverlässig in ihren Bann [...]«

Wenige Tage vor der Preisverleihung erschien in der FAZ ein Portrait von Andreas Rossmann (leider nicht online), das den Verleger und sein Credo wie folgt beschreibt:


"... und wächst und wächst"

Leipziger Buchmesse 2005

Von Aufwind oder Aufbruch war [...] wenig zu spüren (woher auch?). Erstaunlicherweise aber auch nicht vom Gegenteil. Kein Krisengejammer, zum Glück! Man macht eben weiter und hofft, dass alles gut wird.

So lautet das Fazit von FR-Autor Christoph Schröder zur diesjährigen Leipziger Buchmesse. Die "schier unendliche Vielfalt des Angebots" (2.142 Aussteller aus 31 Ländern und mehr als 1.500 Veranstaltungen im Rahmen von "Leipzig liest") habe allerdings auch den Zweck erfüllt, "in dem ganzen Gewimmel Entdeckungen machen zu können", wozu besonders der erfreulich-erfrischende Auftritt einiger junger, unabhängiger Verlage - z.B. Tisch 7, kookbooks, Blumenbar oder der kürzlich von Köln nach Berlin übersiedelte Tropen-Verlag - eingeladen habe:

[...] keine Konfektionsware, das sieht man. So etwas fällt auf. Die Kleinen - ein despektierliches Wort. Aber die Kleinen fühlen sich ungeheuer wohl als die Kleinen. Sie wären sonst nicht zu den Stars der am gestrigen Sonntag zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse geworden. Sie wurden gefeiert, gehätschelt, gelobt und mitunter zootierchenhaft bestaunt [...].

Dass man, so Schröder, "über die literarische Qualität der Jungverlags-Produktionen" freilich erst noch werde reden müssen, "wenn das Staunen über all die gestalterischen Einfälle und die seltene Sorgfalt, die auf die Stimmigkeit von Optik und Inhalt verwendet wird, ein wenig gewichen ist", dürfte zumindest kookbooks-Verlegerin Daniela Seel kaum Anlass zur Sorge bieten. Schließlich spricht der Erfolg ihrer Autoren Jan Böttcher (u.a. Märkisches Literaturstipendium 2005), Daniel Falb (Lyrikdebütpreis des Literarischen Colloquiums Berlin 2005) und Ron Winkler (Leonce-und-Lena-Preis 2005) eine recht eindeutige Sprache.


Eine Nacht in "Rechjavik"

Treffen sich zwei Event-Manager: „Du, nächste Woche is lit.cologne, da müssen wir noch den großen Island-Abend planen!“ „Kein Problem, ich hab da schon ein paar Ideen. Also erstmal brauchen wir nen Beamer und ne riesige Leinwand. Da spielen wir dann so nen Werbefilm für Island ab, aber modern, schnelle Schnitte, coole Schrift-Type und die Bilder aus nem fahrenden Auto gefilmt. Neben die Leinwand hängen wir dann jeweils zwei Stoffbahnen hin!“ „Ja, und die beleuchten wir dann bunt, das sieht bstimmt stark aus! Und in die Mitte kommt ne kleine Island-Fahne über die Riesen-Leinwand, dann wissen die Leute auch, worum’s geht!“ „Ich kenn da übrigens so ne Journalistin beim WDR, die ist halbe Norwegerin, das passt ja auch irgendwie, ist ja die gleiche Ecke, alles, ne?“


Wohin in Leipzig?

Leipziger Buchmesse, 17.-20.03.2005Über 1000 Veranstaltungen finden dieses Jahr auf und um die Leipziger Buchmesse herum statt. Um Euch die Orientierung vor Ort ein wenig zu erleichtern und den ein oder anderen Anreiz zu geben, präsentieren wir nachfolgend eine kleine Auswahl an Terminen aus den Pressemitteilungen, die uns in den vergangenen Wochen erreicht haben.

Alle Termine – von der Buch-Premiere über die Lesung bis hin zur Party, ergänzt um aktuelle Berichte, Interviews, Audios, Videos, Chats und Live-Streams, Gewinnspiele und Bilder zum Festival – findet Ihr übrigens unter www.mdr.de/leipzig-liest.


Ron Winkler erhält den Leonce-und-Lena-Preis 2005

Ron Winkler (c) echo online

Der 31-jährige Berliner Autor Ron Winkler hat am Samstag in Darmstadt den Wettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis für deutschsprachige Nachwuchsdichter gewonnen. Die renommierte Auszeichnung ist mit 8.000 Euro dotiert. Zudem gingen die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise im Wert von insgesamt 8.000 Euro an die Münchnerin Karin Fellner (34) und den in Berlin lebenden Autor Hendrik Jackson (33). Die Jury, in der unter anderem die drei früheren Leonce-und-Lena-Preisträger Kurt Drawert, Jan Koneffke und Raoul Schrott saßen, lobte an Winkler vor allem, dass er in der Tradition der deutschen Naturlyrik von der Romantik bis zur naturmagischen Dichtung geschult sei. Ihm gelinge es, "das Naturgedicht ein weiteres Mal zu aktualisieren und als Referenz eines modernen Lebensgefühls nutzbar zu machen".


Frankfurter Blog-Rundschau

Manche sehen in ihnen die Zukunft des Journalismus, für andere sind sie nur ein Vehikel für Gerüchte, Klatsch und ungefragte Meinungen. Weblogs oder kurz Blogs haben sich in den vergangenen Jahren virusartig über das Internet ausgebreitet. Weltweit soll es inzwischen mehrere Millionen dieser persönlichen Online-Journale geben. Allein 40.000 deutschsprachige Weblogs verzeichnet der Dienst BlogStats, etwa 15.000 werden regelmäßig aktualisiert.


 

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