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"... und wächst und wächst"

Leipziger Buchmesse 2005

Von Aufwind oder Aufbruch war [...] wenig zu spüren (woher auch?). Erstaunlicherweise aber auch nicht vom Gegenteil. Kein Krisengejammer, zum Glück! Man macht eben weiter und hofft, dass alles gut wird.

So lautet das Fazit von FR-Autor Christoph Schröder zur diesjährigen Leipziger Buchmesse. Die "schier unendliche Vielfalt des Angebots" (2.142 Aussteller aus 31 Ländern und mehr als 1.500 Veranstaltungen im Rahmen von "Leipzig liest") habe allerdings auch den Zweck erfüllt, "in dem ganzen Gewimmel Entdeckungen machen zu können", wozu besonders der erfreulich-erfrischende Auftritt einiger junger, unabhängiger Verlage - z.B. Tisch 7, kookbooks, Blumenbar oder der kürzlich von Köln nach Berlin übersiedelte Tropen-Verlag - eingeladen habe:

[...] keine Konfektionsware, das sieht man. So etwas fällt auf. Die Kleinen - ein despektierliches Wort. Aber die Kleinen fühlen sich ungeheuer wohl als die Kleinen. Sie wären sonst nicht zu den Stars der am gestrigen Sonntag zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse geworden. Sie wurden gefeiert, gehätschelt, gelobt und mitunter zootierchenhaft bestaunt [...].

Dass man, so Schröder, "über die literarische Qualität der Jungverlags-Produktionen" freilich erst noch werde reden müssen, "wenn das Staunen über all die gestalterischen Einfälle und die seltene Sorgfalt, die auf die Stimmigkeit von Optik und Inhalt verwendet wird, ein wenig gewichen ist", dürfte zumindest kookbooks-Verlegerin Daniela Seel kaum Anlass zur Sorge bieten. Schließlich spricht der Erfolg ihrer Autoren Jan Böttcher (u.a. Märkisches Literaturstipendium 2005), Daniel Falb (Lyrikdebütpreis des Literarischen Colloquiums Berlin 2005) und Ron Winkler (Leonce-und-Lena-Preis 2005) eine recht eindeutige Sprache.


Eine Nacht in "Rechjavik"

Treffen sich zwei Event-Manager: „Du, nächste Woche is lit.cologne, da müssen wir noch den großen Island-Abend planen!“ „Kein Problem, ich hab da schon ein paar Ideen. Also erstmal brauchen wir nen Beamer und ne riesige Leinwand. Da spielen wir dann so nen Werbefilm für Island ab, aber modern, schnelle Schnitte, coole Schrift-Type und die Bilder aus nem fahrenden Auto gefilmt. Neben die Leinwand hängen wir dann jeweils zwei Stoffbahnen hin!“ „Ja, und die beleuchten wir dann bunt, das sieht bstimmt stark aus! Und in die Mitte kommt ne kleine Island-Fahne über die Riesen-Leinwand, dann wissen die Leute auch, worum’s geht!“ „Ich kenn da übrigens so ne Journalistin beim WDR, die ist halbe Norwegerin, das passt ja auch irgendwie, ist ja die gleiche Ecke, alles, ne?“


Wohin in Leipzig?

Leipziger Buchmesse, 17.-20.03.2005Über 1000 Veranstaltungen finden dieses Jahr auf und um die Leipziger Buchmesse herum statt. Um Euch die Orientierung vor Ort ein wenig zu erleichtern und den ein oder anderen Anreiz zu geben, präsentieren wir nachfolgend eine kleine Auswahl an Terminen aus den Pressemitteilungen, die uns in den vergangenen Wochen erreicht haben.

Alle Termine – von der Buch-Premiere über die Lesung bis hin zur Party, ergänzt um aktuelle Berichte, Interviews, Audios, Videos, Chats und Live-Streams, Gewinnspiele und Bilder zum Festival – findet Ihr übrigens unter www.mdr.de/leipzig-liest.


Ron Winkler erhält den Leonce-und-Lena-Preis 2005

Ron Winkler (c) echo online

Der 31-jährige Berliner Autor Ron Winkler hat am Samstag in Darmstadt den Wettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis für deutschsprachige Nachwuchsdichter gewonnen. Die renommierte Auszeichnung ist mit 8.000 Euro dotiert. Zudem gingen die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise im Wert von insgesamt 8.000 Euro an die Münchnerin Karin Fellner (34) und den in Berlin lebenden Autor Hendrik Jackson (33). Die Jury, in der unter anderem die drei früheren Leonce-und-Lena-Preisträger Kurt Drawert, Jan Koneffke und Raoul Schrott saßen, lobte an Winkler vor allem, dass er in der Tradition der deutschen Naturlyrik von der Romantik bis zur naturmagischen Dichtung geschult sei. Ihm gelinge es, "das Naturgedicht ein weiteres Mal zu aktualisieren und als Referenz eines modernen Lebensgefühls nutzbar zu machen".


Frankfurter Blog-Rundschau

Manche sehen in ihnen die Zukunft des Journalismus, für andere sind sie nur ein Vehikel für Gerüchte, Klatsch und ungefragte Meinungen. Weblogs oder kurz Blogs haben sich in den vergangenen Jahren virusartig über das Internet ausgebreitet. Weltweit soll es inzwischen mehrere Millionen dieser persönlichen Online-Journale geben. Allein 40.000 deutschsprachige Weblogs verzeichnet der Dienst BlogStats, etwa 15.000 werden regelmäßig aktualisiert.


Lesebühne Köln - Premiere am 11. März

Lesebühne am Brüsseler Platz, KölnIn Berlin erlebt sie eine Hochkonjunktur, in NRW ist sie noch wenig verbreitet: die Tradition der Lesebühne. Ab März wird es - organisiert und inszeniert von den Autoren Adrian Kasnitz, Enno Stahl und Achim Wagner - auch in Köln ein solches regelmäßiges Veranstaltungsforum geben, jeweils am dritten Donnerstag des Monats.

Zur Premiere werden am 11. März um 20 Uhr in der Nyland-Stiftung (Brüsseler Str. 72) die Stammautoren der Lesebühne aus neuen Texten lesen.

Außerdem treten auf: Ulrich Bogislav (Köln), Marcel Diel (Bonn), Guy Helminger (Köln), Rainer Junghardt (Köln), Agnieszka Lessmann (Bergisch Gladbach) und Richard David Precht (Köln).

Erster auswärtiger Gast der Lesebühne ist der Berliner Lyriker HEL.

HEL wurde 1957 im ostbelgischen Eupen geboren und lebt nun nach längeren Aufenthalten in Aachen und Düsseldorf seit Anfang der 90er Jahre am Prenzlauer Berg. Zahlreiche Lyrik-Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften.
Demnächst erscheint eine Sammlung von Gedichten der Jahre 1976-2004 im Verlag KRASH Neue Edition. HEL zeigt sich darin als einer der sprachgewaltigsten deutschen Lyriker, der in einzigartiger Radikalität nur für den Text und seinen besonderen Sprachkosmos lebt. Karriere und Literaturbusiness sind ihm fremd, eine absolute Ausnahmegestalt im großen Rattenrennen um Ruhm, Erfolg und Reichtum! Der Herausgeber Tom Schulz über HELs Werk: "Mit HEL haben wir einen Meister der gereimten Form, der es wie kein zweiter deutschsprachiger Dichter versteht, Alltägliches in ein Sonett zu bringen, Soziales und Politisches."

Nähere Infos zur Lesebühne unter www.lesebuehne-koeln.de.


Leonce-und-Lena-Preis 2005

Leonce-und-Lena-Preis 2005Das dürfte mal wieder spannend werden! Am 11. und 12. März finden die öffentlichen Lesungen zum diesjährigen Leonce-und-Lena-Preis statt, dem wohl renommiertesten deutschen Lyrikpreis, der seit 1979 alle zwei Jahre von der Stadt Darmstadt vergeben wird.

Zum Wettlesen ausgesucht wurden in diesem Jahr 13 Autorinnen und Autoren, darunter auch einige durchaus bekanntere Namen der jüngeren Generation: Gyde Callesen (Hannover), Renatus Deckert (Berlin), Sabine Eschgfäller (Innsbruck), Karin Fellner (München), Gerald Fiebig (Augsburg), Andrea Heuser (München), Hendrik Jackson (Berlin), Adrian Kasnitz (Köln), Jörg Matheis (Ingelheim), Christian Schloyer (Erlangen), Katharina Schultens (Hildesheim), Mikael Vogel und Ron Winkler (beide aus Berlin).


Literatur-Café bloggt live aus Leipzig

LiteraturcaféDas Literatur-Café, einer der beliebtesten Tummelplätze für Autoren im Internet, wird an der Leipziger Buchmesse sowohl real (nämlich in Halle 5 an Stand C 213), als auch virtuell teilnehmen:

Von den Vorbereitungen bis zur Heimfahrt: in unserem Messe-Blog lesen Sie, was wir mit dem Literatur-Café auf der Leipziger Buchmesse erleben. Sollten Sie nicht zur Buchmesse kommen können, dann werden wir für Sie berichten und unsere persönlichen Eindrücke schildern.


Rezensionen zur Frauen- und Geschlechterforschung

Anläßlich des Erscheinens der neuen Ausgabe von Querelles-Net heute nachmittag (und ja, als Mitglied der Redaktion betreibe ich hiermit gnadenlose Eigenwerbung) möchte ich gerne auf dieses Forum für Rezensionen zur Frauen- und Geschlechterforschung hinweisen. Querelles-Net erscheint alle drei Monate (jeweils Anfang März, Juli und November), üblicherweise mit einem Schwerpunktthema (diesmal ausnahmsweise nicht). Neben den Rezensionen, die das Gros der Texte ausmachen, finden sich in der Rubrik Forum ein Beitrag oder mehrere Texte zum Schwerpunkthema der jeweiligen Ausgabe.


Jan Böttcher: Der Krepierer

In der Kritischen Ausgabe veröffentlichte vor einigen Semestern Jan Böttcher zwei Gedichte und einen Prosatext. Nicht nur die angekündigte Erzählung Lina oder Das kalte Moor ist seitdem erschienen. Mit seiner Band Herr Nilsson brachte er ein neues Album, Einfacher Sein, an den Start, das ihr bisher erfolgreichstes sein dürfte, und in dem kleinen Verlag kookbooks, in dem auch seine Erzählung erschienen ist, wurde im vergangenen Jahr schließlich sein erstes Hörbuch veröffentlicht: Der Krepierer. Dabei handelt es dabei um eine ca. 30-minütige Lesung des Autors. Erzählt wird die Geschichte einer Schiffsbesatzung, die von einer Reise auf den Balkan zurückkehrt. Erwartet werden die übrig gebliebenen Matrosen von drei seltsamen Gestalten: dem Panzergrenadier, Fide Appelsnut und dem Krepierer.


 

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