Inhalt abgleichen

Aus der »Mülltonne der Geschichte« zu einer Philosophie der Moderne

In einem komplexen Text rehabilitiert Philipp Muray den Antisemiten Louis-Ferdinand Céline als Geschichtsschreiber

In dem groß angelegten Essay Céline unternimmt Philipp Muray den waghalsigen Versuch einen der polarisierendsten und unnahbarsten Schriftsteller der literarischen Moderne zu fassen. Dabei wird die Aufarbeitung dieses literarischen Oeuvres für den französischen Kulturkritiker zum Ausgangspunkt einer philosophischen Zeitdiagnose, die sich vom Ersten bis über den Zweiten Weltkrieg hinein in die Gegenwart erstreckt – und bei der der besprochene Louis-Ferdinand Céline, mitsamt all den moralischen Problemfeldern, in den Hintergrund gerät.


Wallfahrt in die Vergangenheit

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki als Meditation über Schmerz und Freundschaft

Haruki Murakami muss man dem deutschen Publikum wohl kaum vorstellen. Immer wieder hat der japanische Autor die deutsche Leserschaft erobert, zuletzt durch die Trilogie 1Q84 und Die unheimliche Bibliothek. Seit Januar liegt sein neuester Roman vor: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Es ist eine Geschichte von einem Mann, der sich selbst als passiv und mittelmäßig empfindet, und, um die Frau seiner Träume zu erobern, dem Schmerz seiner Vergangenheit begegnen muss.


Aliens in Schottland – irgendwo zwischen Alltag und Science Fiction

Under the Skin ist einer der sehenswertesten Filme des Jahres

In Venedig wurde er gefeiert und ausgebuht. Die Reaktionen auf diesen Film sind gemischt, die Informationen dubios: Eine außerirdische Lebensform ist in Schottland auf Menschenfang, Scarlett Johansson ist ein Alien mit schönen Brüsten – Und sind das überhaupt Schauspieler? Nichts, was man über Under the Skin liest oder hört, kein Trailer kann uns auf diesen Film vorbereiten. Dieses verstörende und betörende, existenzialistische und sexuell aufgeladene Werk hat den Vergleich mit dem großen Kubrick gesehen… und überlebt.


»Obwohl ich gar kein Briefschreiber bin…«

Der zweite Band der neuen Briefedition Hermann Hesses zeigt den Schriftsteller zwischen Weltflucht und Weltkrieg

Wenn Hermann Hesse in einem Brief an Theodor Heuss schreibt, »[…] ich selber bin sonst kein Briefschreiber« (232), dann mutet das fast wie eine Lüge an. Behauptet er es aus Selbstschutz oder ist ihm der Umfang seiner Korrespondenzen selbst nicht klar? 40.000 Zuschriften von über 6.000 Absendern, 15.000 Antworten und eine Grauziffer von beinahe dem Doppelten beweisen  im Gegenteil, dass Hesse einer der produktivsten Briefschreiber des 20. Jahrhunderts war. Seit dem Abschluss der Gesammelten Briefe 1986 sind immer mehr dieser Briefe aufgetaucht und werden nun in der neuen, auf 10 Bände angelegten Briefausgabe bei Suhrkamp zugänglich gemacht. Unbedingt ein Grund hineinzuschauen.


»Und genau das ist Literatur, eine unkontrollierbare Angelegenheit«

Moacyr Scliars Kafkas Leoparden – literarische Entgegnung aus Brasilien

Moacyr Jaime Scliar, »Schriftsteller, Arzt und Jude – woraus ersichtlich ist, welche Last ein menschliches Wesen mit sich herumschleppen kann«, sprach wie Kafka von Identität als Problem. In der Erzählung Kafkas Leoparden spürt er dieser komplexen Identitätsproblematik ohne spürbare Schwere und auf höchst literarische Weise nach.


Im Zeitvakuum

Roman Ehrlichs erster Roman: Der Erzähler und die schlafende Welt

Es ist eine weite Landschaft, in die Roman Ehrlich seine Leser in Das kalte Jahr hineinführt. Dieses Erstlingswerk erkundet den multidimensionalen Raum des Erzählens und fordert dazu auf, diesen Raum in seiner gesamten Tiefe zu erkunden. Völlig zu Recht wurde Roman Ehrlich, geboren 1983 und Alumnus des DLL, in diesem Monat mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet. Und Katja Petrowskaja hätte ihm auch den Bachmann-Preis gegönnt. Man kann noch so viel über die kalte Prosa aus den Reihen der deutschen Literaturinstitute klagen: Dieser Roman besitzt die Weite und die Tiefe eines ausgereiften Werks.


Bilanz eines Suchenden

Zur Neuauflage von Hoimar von Ditfurths Innenansichten eines Artgenossen

Den meisten der heute unter Dreißigjährigen dürfte der Name Hoimar von Ditfurth nichts mehr sagen und doch war der 1989 gestorbene Mediziner, Wissenschaftsjournalist, Philosoph und Autor mehrerer Bestseller eine der herausragenden Persönlichkeiten der Nachkriegszeit, der durch seine Bücher und Wissenschaftssendungen (Querschnitte) eine ganze Generation geprägt hat.


Wie der Vater, so der Sohn

Alex Capus' neuer Roman und der Versuch Vergangenheit zu erzählen

Film- und Fernsehproduktionen, in denen historische Ereignisse im Mittelpunkt stehen, zeichnen sich vor allem durch eine Besonderheit aus. Bei der Rekonstruktion von Vergangenheit vermischen sich Fakten und fiktionale Einschübe, reale Ereignisse und Spekulationen. Historische Filmdokumente stoßen auf Szenen, in denen die Dramaturgie des Spielfilms darüber entscheidet, wie historische oder schlicht erfundene Figuren interagieren. Unter dem Schlagwort ›Dokufiction‹ wird Geschichte auf unterhaltsame Weise dargestellt. Auch in der Belletristik lässt sich dieser Trend, denkt man an historische Stoffe wie Uwe Timms Roman Morenga (1978) und seine Erzählung Am Beispiel meines Bruders (2003) oder auch Daniel Kehlmanns Roman Die Vermessung der Welt (2005), beobachten. Er ist eine gute Voraussetzung, um einen ›Bestseller‹ zu landen, wie Klaus Modick es 2006 mit ironischem Blick in dem gleichnamigen Roman auf den Punkt gebracht hat.


Du musst das System nicht checken um es zu hacken.

Tristan Marquardts Gedichtband »das amortisiert sich nicht«. Eine Gemeinschaftsrezension

Dieses Debüt ist Science-Fiction, nur ohne UFOs und spaceige Sonnenbrillen. Bei Tristan Marquardt wird nicht die Welt gerettet; kann man sie im Entstehen beobachten. Sein Gedichtband ist Science-Fiction also im Sinne einer Wissenschaft des Fiktiven. Er ist ein Versuchslabor, in dem Sprache verortet, Räume vermessen und Versuchsanordnungen aufgestellt werden. Im weißen Kittel geht es hier ums Ganze, um die Möglichkeit dieser Sprache, um die Ausweitung der Blickzone.


Auf der Grenze

Die »Neue Rundschau« erkundet den Comic in theoretischer Reflexion und poetischer Praxis

Themenhefte zum »Comic« gibt es inzwischen von fast jeder größeren Literatur- bzw. Kulturzeitschrift. Bereits 1998 widmete sich die 51., von Jens Balzer und Martin tom Dieck herausgegebene, Ausgabe der Zeitschrift »Schreibheft« ganz der graphischen Literatur; Ende 2012 zog auch die im Fischer Verlag erscheinende »Neue Rundschau« nach: Das dritte Heft im 123. Jahrgang nähert sich dem Medium Comic aus unterschiedlichen Perspektiven.


 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!