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Rollenspiel

Daniela Dröschers Roman Pola

»Sie sind die Frau. Es ist Ihre Rolle. Sagen Sie es mir«, entgegnet der Regisseur Willi Forst seiner Hauptdarstellerin Pola Negri, als diese im Jahr 1934 bei den Dreharbeiten zur Ciné-Allianz-Produktion Mazurka die Gefühle der von ihr verkörperten Figur nicht versteht und es nicht schafft, überzeugende Tränen fließen zu lassen. Negri, polnische Stummfilmdiva mit glanzvoller Vergangenheit und ungewisser Zukunft, ist die Hauptfigur in Daniela Dröschers jüngstem Roman Pola. Sie hat an diesem Punkt ihrer Karriere bereits »dreiundfünfzig Filme, zwei Ehemänner und einen Weltkrieg überlebt«, eine wenig schmeichelhafte Abschiebung aus Hollywood hinter sich und so häufig die eigene Geschichte umgeschrieben, dass die Worte, die die Autorin dem Regisseur in den Mund legt, für Pola Negris Leben wie für den Roman Dröschers programmatisch scheinen.


Konkurrenz im eigenen Haus?

Zu Franziska Schößlers Einführung in die Dramenanalyse

Ja, der Metzler-Verlag. In grauer Vorzeit war er außer für Überblickswerke auch als Ort wichtiger literaturwissenschaftlicher Monographien bekannt. Doch seit einigen Jahren hat man sich – offenbar recht erfolgreich – ganz darauf verlegt [!], mittels Handbüchern und Einführungen wissenschaftliche Grund- und Erstversorgung zu liefern. Als eine der neuesten Einführungen ist kürzlich eine von Franziska Schößler verfasste Einführung in die Dramenanalyse erschienen.


Keine erzählenswerte Biographie

Der Reiher – eine Kritik des Debütromans von René Sydow

Leben und Tod; das sind Themen, über die schon alles gesagt wurde, zu denen aber eigentlich auch noch alles gesagt werden kann. Als zentrale Aspekte des Menschseins vermögen sie noch immer viel herzugeben. Auch René Sydow wagt sich in seinem Debütroman Der Reiher an keinen geringeren Stoff und übernimmt sich damit.


Shakespeare gegen Schiller

Volker Harry Altwasser erweckt den Pommernherzog Bogislaw XIV. zu neuem Leben

»Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.« So heißt es bei Friedrich Schiller, genauer gesagt in dem Stück Wallensteins Lager. Unzweifelhaft ernst war das Leben von Bogislaw XIV., dem letzten Herzog von Pommern, dem Volker Harry Altwasser nun ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Was den »Theaterroman« denn auch letztlich heiter macht, ist eben – die Kunst. Denn Ich, dann eine Weile nichts ist große Kunst.


Vom Popfaschismus zum Identitätsverlust

Am 30. Januar 2013 in Bonn liest Camille de Toledo im Rahmen der Reihe »Reading Europe: Neue Autoren aus Europa« aus seinem neuesten Essay

Das 21. Jahrhundert als Irritation des Individuums und der daraus folgenden Grausamkeit: So oder so ähnlich lautet die Kernthese des jüngsten Essays Von der Beunruhigung auf der Welt zu sein (original: L’ Inquiétude d’ être au monde), der nicht nur inhaltlich Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der 1976 in Lyon geborene Camille de Toledo (bürgerlich Alexis Mital) präsentierte bereits 2005 mit seinem ersten Buch Goodbye Tristesse. Bekenntnisse einen unbequemen Zeitgenossen (Confession d’ un jeune homme à contretemps) einen völlig neuen Stil, der die Elemente des Theoretischen, Autobiographischen und Fiktiven vereint: »Mein Werk, sei es Lyrik, Prosa, Fotografie oder Oper, will die Poetik des 21. Jahrhundert zugleich verkörpern und neu erfinden.«


Mord und Gerechtigkeit – Wer trägt die Schuld?

Sebastian Fitzek und Michael Tsokos präsentieren in Abgeschnitten einen atemberaubenden Thriller, der in die Tiefen der menschlichen Psyche führt

Ein Rechtsmediziner, der im Kopf einer Leiche die Telefonnummer seiner Tochter findet. Eine Comiczeichnerin, die sich auf einer Insel vor ihrem Ex-Freund versteckt und am Strand eine Leiche entdeckt. Zwei Menschen, zwei Geschichten. Doch ihre Wege werden sich schneiden – weil Er es so geplant hat! Fitzek und Tsokos – beide Experten auf ihrem Gebiet – brillieren gemeinsam in ihrem Roman Abgeschnitten. Fitzek, der sich bereits mit Bestsellern wie Das Kind oder Der Augensammler einen Namen gemacht hat, verbündet sich mit Tsokos, dem wohl bekanntesten deutschen Rechtsmediziner, der schon mit Der Totenleser Unglaubliches aus seinem Beruf erzählte und dessen Spezialgebiet sich unübersehbar in diesem Thriller spiegelt.


»Wir konzentrieren uns nun auf Literatur, weil wir inzwischen damit umgehen können«

Ein Interview mit dem Salisverleger André Gstettenhofer über das Crowdfundingprojekt für die »édition bibliophile«

Crowdfunding für Kulturprojekte hat sich bereits für viele Bereiche etabliert. Zum Beispiel im Musikbusiness ist diese Form der Vorfinanzierung von Projekten weiterhin auf dem Vormarsch. Für den Buchbereich konnten im Vergleich eher wenige Projekte auf diese Weise finanziert werden. Mit der »édition bibliophile« startet nun der Zürcher Salis Verlag ein Crowdfunding-Projekt, das ansonsten ganz von der Digitalen Welt wegweist. Alle belletristischen Titel sollen ab dem Frühjahrsprogramm 2013 auch in einer kleinen Auflage von 250 Exemplaren in besonders sorgfältiger Ausstattung vorgelegt werden. Mit André Gstettenhofer, dem Verleger des kleinen Schweizer Verlags, sprach K.A.-Chefredakteur Benedikt Viertelhaus.


Das Recht des Kanuns

Die albanische Schriftstellerin Anila Wilms debütiert in Deutschland mit Das albanische Öl oder Mord auf der Straße des Nordens

Wenn im heutigen Literaturbetrieb von einem historischen Kriminalroman die Rede ist, dann spricht man meist von Büchern aus dem Bereich der trivialen Unterhaltungsliteratur. Dass sich dabei auch anspruchsvollere Literatur in diesen Gefilden tummelt, gerät trotz Umberto Ecos Der Name der Rose und Patrick Süskinds Das Parfüm schnell in Vergessenheit. Ein solches Beispiel für einen aktuellen Historienkrimi mit literarischem Niveau hat nun jüngst die in Albanien geborene Autorin Anila Wilms veröffentlicht. Ihr Roman Das albanische Öl oder Mord auf der Straße des Nordens beweist eindrucksvoll, dass auch dieses Genre gute Literatur hervorbringen kann – und zugleich auch, dass nicht jeder Historienkrimi immer zwangsläufig im Mittelalter angesiedelt sein muss.


Zombies, Monster und Mutanten

Über die Faszination aktueller Untergangszenarien

Stellen Sie sich vor, die Welt geht heute unter. Aber es ist kein schneller Untergang, kein »Big Bang« und das war’s. Es ist eine zunächst überlebbare Katastrophe, nach der Überlebende in Ruinenstädten umherirren und über den Sinn von all dem philosophieren können. So jedenfalls zeigen es aktuelle Vertreter fiktiver Untergangszenarien. Doch es sind keine realistischen Hochrechnungen für den Ernstfall, sondern Kassenschlager, preisgekrönte Fernsehserien und Videospiele, die den Rezipienten zugleich verstören und faszinieren. Dabei mischen Macher und Autoren moderne mit alten Gruselmythen. Was entsteht sind einzigartige Gesellschaftsbilder in den »letzten Tagen der Menschheit«. Doch was ist eigentlich das Fesselnde am Untergang unserer Spezies?


»Wo die Linie andere Linien kreuzt, wo das Leben ein fremdes Leben betritt.«

Entdeckung von Wsewolod Petrows Die Manon Lescaut von Turdej, Erzählung aus dem Russischen

Eine befremdende Ausgangssituation: Es ist Krieg, und ein Zug mit der Destination Militärspital fährt durch Russland; in einem Wagon liegen Offiziere und Ärzte auf den Pritschen und die Krankenschwestern unterhalb der Pritschen, Mittelpunkt des Wagons und des Lebens darin ist ein eiserner Kanonenofen. Eine Liebesbeziehung entwickelt sich zwischen dem Offizier und der einfachen Krankenschwester Vera. Später wird die Zugfahrt und auch die recht unbekümmerte Stimmung von Bombenangriffen unterbrochen, die Geliebte lebt fortan mit Nina Aleksejwna in einem kleinem Ort, der Offizier besucht sie noch einmal, bemerkt ihr reges Liebesleben, verbringt eine Nacht mit ihr, verbleibt schließlich in Liebe zu ihr. Vera stirbt im Feuer eines Bombenangriffs. Das ist eine grobe Inhaltsskizze von Die Manon Lescaut von Turdej, dem in diesem Herbst erschienenen Roman von Wsewolod Petrow.


 

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