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Zombies, Monster und Mutanten

Über die Faszination aktueller Untergangszenarien

Stellen Sie sich vor, die Welt geht heute unter. Aber es ist kein schneller Untergang, kein »Big Bang« und das war’s. Es ist eine zunächst überlebbare Katastrophe, nach der Überlebende in Ruinenstädten umherirren und über den Sinn von all dem philosophieren können. So jedenfalls zeigen es aktuelle Vertreter fiktiver Untergangszenarien. Doch es sind keine realistischen Hochrechnungen für den Ernstfall, sondern Kassenschlager, preisgekrönte Fernsehserien und Videospiele, die den Rezipienten zugleich verstören und faszinieren. Dabei mischen Macher und Autoren moderne mit alten Gruselmythen. Was entsteht sind einzigartige Gesellschaftsbilder in den »letzten Tagen der Menschheit«. Doch was ist eigentlich das Fesselnde am Untergang unserer Spezies?


»Wo die Linie andere Linien kreuzt, wo das Leben ein fremdes Leben betritt.«

Entdeckung von Wsewolod Petrows Die Manon Lescaut von Turdej, Erzählung aus dem Russischen

Eine befremdende Ausgangssituation: Es ist Krieg, und ein Zug mit der Destination Militärspital fährt durch Russland; in einem Wagon liegen Offiziere und Ärzte auf den Pritschen und die Krankenschwestern unterhalb der Pritschen, Mittelpunkt des Wagons und des Lebens darin ist ein eiserner Kanonenofen. Eine Liebesbeziehung entwickelt sich zwischen dem Offizier und der einfachen Krankenschwester Vera. Später wird die Zugfahrt und auch die recht unbekümmerte Stimmung von Bombenangriffen unterbrochen, die Geliebte lebt fortan mit Nina Aleksejwna in einem kleinem Ort, der Offizier besucht sie noch einmal, bemerkt ihr reges Liebesleben, verbringt eine Nacht mit ihr, verbleibt schließlich in Liebe zu ihr. Vera stirbt im Feuer eines Bombenangriffs. Das ist eine grobe Inhaltsskizze von Die Manon Lescaut von Turdej, dem in diesem Herbst erschienenen Roman von Wsewolod Petrow.


Vom Zufall geleitet, mit Zufall belohnt

Katrin Heinau beschreibt eindrucksvoll wie unvorhersehbar und planlos das Leben ist

Fred Schiller lebt nach dem Motto: Wenn das Leben dir etwas schenken will, dann nehme es dankend an und warte auf das nächste Geschenk. Katrin Heinaus Hochstaplerroman beschreibt den Weg eines Mannes, der gezwungen wird aus einem ›normalen‹ Leben auszusteigen, dann sein Leben auf der Straße versucht, ein vorübergehend leeres Haus besetzt und schließlich zu der eigenen Ausstellungseröffnung in New York nicht erscheint.


Writing Britain

Warum England und Literatur zusammengehören, eine Ausstellung

Die meisten Menschen, die sich zwischen dem 11. Mai und 25. September in die British Library verirrten, flüchteten wahrscheinlich vor einem berüchtigten Londoner Regenguss, oder war auf dem Weg zur Olympia-(Briefmarken-)Ausstellung nebenan. Die Neugierigen aber, die sich von schillernden Namen wie Tolkien, Blake, Austen oder Rowling locken ließen, wurden mit Writing Britain: Wastelands to Wonderlands belohnt, einer herausragenden Literaturausstellung mit zahlreichen Originalausgaben.


Luftraumlücken

Das Berliner Lyrikkollektiv G13 stellt ein Gruppenbuch vor und geht auf Tour

Berlin, 01.10.2012
»Die Kritik der Stimmung ist die Voraussetzung aller Kritik«, sagt Linus Westheuser. Dann rollt eine Leseshow ab, die das Lyrikkollektiv G13 passend zum Erscheinen des Gruppenbuchs 40% Paradies und zur zugehörigen Städtetour inszeniert haben. Es geht nach Kiel, Köln, Karlsruhe unter anderem, vorerst aber zum Heimspiel in die Literaturwerkstatt Berlin, der Stadt und Stätte, in der sich die junge Literatur traditionsgemäß am besten wider- und gegenbefruchtet. Halbfertiges mutet hier allein durch Eventisierung arriviert an. Der Saal ist voll, die Erwartungen gemischt.


»Mit Sizilien wird der Ausnahmezustand gewissermaßen von Anfang an gesetzt«

Florian Scheibe im Gespräch über seinen Debütroman Weiße Stunde

Im Frühjahr legte der 1971 in München geborene Schriftsteller Florian Scheibe mit Weiße Stunde seinen ersten Roman vor. Der studierte Kulturwissenschaftler und Historiker zeigt einmal mehr, dass es neben dem klassischen Krimi Spannungsromane gibt, die mit Sprachwitz und einer gewissen Lust zum Experiment den Leser zu fesseln wissen. Mit K.A.-Chefredakteur Benedikt Viertelhaus hat er über die Inspirationen zu seinem Debüt und die Schwierigkeiten bei der Arbeit am zweiten Roman gesprochen.


Herr Frantz versteht die Welt nicht mehr

Helmut Kuhns Roman Gehwegschäden

Endlich mal wieder einer, der sich etwas traut! Einer, der einen Roman vorlegt, der exemplarisch für eine Stadt und eine Zeit zu sein beansprucht! Einer, der mehr will als einfach nur eine Geschichte auf schöne Weise zu erzählen, sondern es mit den Erzählverfahren der Klassischen Moderne aufnimmt! Ein solcher ist Helmut Kuhns Roman Gehwegschäden.


Die »Sfäre der Poesie« in der DDR und wie man sie findet

Barbara Honigmanns Erzählung Bilder von A.

»A. Ist jetzt tot.«  – Dieser Satz durchzieht das neueste Buch Barbara Honigmanns, Bilder von A., wie ein immer wiederkehrendes Mantra. Als müsse sich die Erzählerin, eine junge Frau in Ost-Berlin, immer wieder in Erinnerung rufen, dass dieses Stück ihrer Vergangenheit, dass A., wirklich existierte.


Von Sektkorken und ungewollten Kindern

Filmemacher Oskar Roehlers legt sein literarisches Debut vor – und geht dahin, wo es weh tut: Zu den Wurzeln seiner »Herkunft«.

Gisela Elsner – man kennt sie als Fräuleinwunder der Gruppe 47, als Autorin der Satire »Die Riesenzwerge«, mit Kleopatra-Perücke und schwarzen Kajal-Balken einfühlsam porträtiert von Hannelore Elsner in Oskar Roehlers Spielfilm »Die Unberührbare«. Jedoch kennt man sie nicht als unnahbares Monster, als Rabenmutter eines kleinen Jungen, der »wie ein Sektkorken aus ihrem Bauch ploppte« und den sie unmittelbar nach der Geburt als »Bündel« bezeichnete, mit dem sie »nichts zu tun haben« wolle.


Die schöpferische Unvollkommenheit

Hans Magnus Enzensbergers Album

Es ist mittlerweile fast egal, in welche Abteilung einer Buchhandlung man sich begibt – ob bei den Kinderbüchern, dem politischen Sachbuch oder in der kleinen Lyrikecke: Überall finden sich Werke von Hans Magnus Enzensberger, einem Tausendsassa der deutschen Literatur. Kaum ein anderer zeitgenössischer Schriftsteller probiert sich auf so vielen Gebieten aus. Und obwohl man meinen könnte, En-zensberger habe inzwischen alle Möglichkeiten ausgeschöpft, schafft er es mit seinem Werk Album erneut, Grenzen einzureißen.


 

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