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Kein Ende in Sicht

Die Bands Fehlfarben und Tocotronic beweisen mit ihren neuen Alben, dass die Popmusik noch lange nicht tot ist

Ist Popmusik am Ende? Eine Frage, die mehr und mehr Statement-Charakter annahm, beschäftigte gegen Ende des letzten Jahres mal wieder so manchen Feuilletonisten, der mit dem Tod Michael Jacksons gleich noch ein historisches Ereignis bei der Hand hatte. So titelte beispielsweise das SZ-Magazin: »Verfallsdatum abgelaufen. Die Ära des Pop ist vorbei«. Das ist der Stoff, aus dem Schubladen- und Epochendenken gemacht ist. Kaum endet ein Jahr/Jahrzehnt/Jahrhundert, wird zusammengefasst, abgeschlossen, resümiert, totgesagt.


Perfektionierte Langeweile

Das Debutalbum Music for a while der französischen Band Revolver ist eine Sammlung der Ideenlosigkeit

Revolver: Music for a while (Cover)Irgendwie kann man über viele Platten sagen: »Alles schonmal dagewesen«. Doch selten zeigt es sich so extrem und störend, wie bei dem ersten Album der französischen Band Revolver, Music for a while. Die Arrangements, die Harmonien, selbst den Bandnamen, gab es schonmal. Revolver war und ist eben auch eine deutsche Hard-Rock Band, die in den 80-ern in der Scene zu gewisser Bekanntheit kam und Ozzy Osbourne 1982 auf seiner Europatour begleitete. Die Band aus Paris gründete sich 2006 und hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht.


Ein Stück des Wegs gehen alle gemeinsam

Die Hamburger Band Halma verrät ihre Herkunft kaum

Die Band: Halma (Foto: Gianni OcchipintiWissen Sie, über welche Ecken Element of Crime mit Velvet Underground zu tun hat? Oder The Black Heart Procession mit Pinback. Nein? Gut – brauchen Sie auch nicht. Es sind auch nur zwei Beispiele, wie verschiedene Bands miteinander personell verbunden sind. Mehr wissen Sie sicherlich zu den ganzen Projekten, die sich nach Auflösung der Beatles um die vier Musiker entwickelten. Die Musikgeschichte läßt sich mitunter wie ein Stammbaum lesen, der zeigt, daß jeder Musiker mit jedem indirekt etwas zu tun hatte. Eindeutig und direkt z.B. sind die Bezüge zwischen Fink und Halma.


»Just singing a song won’t save the world«

Mit seinem Album Fork on the Road wagt sich Neil Young erneut an ein politisches Thema der Zeit

»Weggabelung« als Übersetzung würde nicht ganz das Bildmotiv ergeben, das der Titel von Neil Young kürzlich erschienenem Album im englischen Original ausdrückt: Fork in the road. Zwar sind die USA, das Land, um das es in seinen politischen Songs immer geht, mit dem Sieg Obamas und seinen schnellen Handlungen nach seiner Machtübernahme an einer Weggabelung angekommen. »Maybe it's Obama/ But he thinks that he's too young« sang er 2006 in »Lookin’ for a leader« auf dem Album Living with war. Jetzt aber, wo diese Möglichkeit eines Nach-Bush-Präsidenten wahr geworden ist, ist es Zeit, sich neuen Themen zu stellen.


Von der Reibung der Lautung: Tondehnung, Pathos und die Dekonstruktion des Gesangs

Mit Vom Feuer der Gaben präsentieren Klez.e ihr drittes Album

Was für Ereignisse überschlagen sich doch augenblicklich, denke man nur an die himmelstürzende Aufregung, in die die Wohlmeinenden und Wohlgesinnten Papst und Vatikan stürzten. Bereits frühzeitig wurde der Exkommunikationstermin, also kurz vor dem Ausschwitztag 27. Januar, als zumindest geschmacklos beklagt. Nun, was sollten dann jene datumsschwitzenden Zeitgenossen gerade vom 30. Jänner halten, an dem nun die Berliner Band Klez.e ihr neues und drittes Album ausgerechnet unter dem Titel Vom Feuer der Gaben im Zentrum der Hauptstadt (allerdings ohne Fackelmarsch) in die Ohren trug.


Showtime

Kings of Leon spielten Ende Februar im Kölner Palladium auf – und wirkten erschöpft

Das Licht geht aus, eine schaurige Opernmelodie wabert aus den Lautsprechern. Pfiffe und Rufe werden aus der Menschenmasse nach vorne geworfen. Dann betreten Kings of Leon die Bühne und die Mädels fangen an zu schreien. Noch ist alles dunkel, doch als der erste Takt beginnt leuchten die Scheinwerfer auf, Bühne und Saal sind hell erleuchtet. Was für ein Auftritt.


Abkehr von Klaviermelodien und Melancholie – ein Versuch!

Das dritte Album Perfect Symmetry der Brit-Pop-Band Keane

Die Musikwelt hat sich zwei Jahre gedulden müssen, bis das neue Album der Brit-Pop-Band aus East-Sussex überhaupt erschienen ist: Trennungsgerüchte und vor allem Drogenprobleme des Sängers Tom Chaplin kündigten ohnehin eine noch längere Wartezeit an. Aber nein, das neue Album ist kein Befreiungsschlag von dem bisherigen gewohnten piano-dominanten und melodiösen Klängen, die für Keane so charakteristisch sind. Aber er ist zumindest ein bemerkenswerter Versuch, wie die überraschend neue Orientierung an absolut oppositionellem Einfluss – nämlich an elektronischem Pop-Sound – beweist.


Heilung durch Mu[sic] und andere Diamanten

Text und Sound: modul8 ist auf tanzbares Gefühl geschliffen

Das Aachener Elektro-Label modul8 macht vor allem eines: Spaß. Neben melancholischen Projekten wie Alphawezen mit Musik für die Großstadt-Loneliness und Titeln wie „Me Opti-mized“ und „heimat.de“ (auf dem 2007 erschienenen Album „Comme Vous Voulez“) produziert und vermittelt das Unternehmen von Ernst Wawra vor allem Tanzbarkeit. Nicht allzu schnelle, aber fordernde Beats, in die hin und wieder Wah-Wahs (man möchte sagen: Waw-ras) und andere Effekte hart reingrätschen. Aber auch irrwitzige Textpassagen, die einen auf dem Dancefloor stocken und überlegen lassen: Ist das ernst gemeint? Darf man das heutzutage überhaupt noch? Während Alphawezens englischsprachige Lyrics per se seriös klingen, machen einen Zeilen wie „Ich zeig dir ma’ mein’ neuen Buch“ (in „Deborah“ von Elektro Willi und Sohn) doch stutzig. Oder etwa nicht?


Ein Soundtrack für Berlin

Das Debütalbum des Seeed-Frontmanns Peter Fox

Nach drei erfolgreichen Alben mit seiner Band Seeed lädt Peter Fox zu einer kommentierten, musikalisch untermalten und teilweise sehr persönlichen Führung durch die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ein.


Fragwürdiger Lehrinhalt – lohnende Beats

Das dritte Album der Kaiser Chiefs

Ganz anders als die beiden Vorgänger Employment und Yours Truly, Angry Mob präsentiert sich das dritte Album der Kaiser Chiefs, Off with their heads. Instrumentation und Lyrics scheinen reifer und bedeutend variationsreicher als man dies bisher von den Herren aus Leeds gewohnt war. Dieses Verdienst mag nicht nur der eigentlichen Band als vielmehr den zahlreichen und namhaften Produzenten des neuen Albums geschuldet sein.


 

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