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Phänomenal! Genial?

Lang, aber keineswegs langweilig: Farin Urlaubs Livealbum of Death

Eine Sonnenblume, deren Mitte ein Totenkopf ziert, umkränzt von blauen Strahlen auf schwarzem Hintergrund? Die Botschaft ist wohl klar. Witzig, schwarz-humoristisch soll es sein, wie wir das von Farin Urlaub kennen. Dennoch sieht das Cover seines neuen Livealbum of Death einfach nur furchtbar kitschig und misslungen aus. Dabei war Humor doch immer eine von Urlaubs Stärken. Aber der erste Eindruck täuscht, denn trotz seiner bescheidenen Aufmachung weiß dieser 90-minütige Tonträger durchaus zu überzeugen.


Ohne Plattenfirma zum Erfolg

Genug vom New-Wave-Wahn? Etwas andere Töne präsentieren Clap Your Hands Say Yeah

Viel hat man im Vorfeld über Clap Your Hands Say Yeah aus Brooklyn gehört, die in England über alle Maßen gelobt wurden und als »the next big thing« gehandelt werden. So zum Beispiel, dass sie in ihrer Heimat, den USA, ihre ersten 25.000 Alben ohne Plattenvertrag, nur über das Internet verkauft haben. Den Sprung nach Europa aber wollten sie dann wohl doch nicht alleine wagen, weswegen sie hier V2/Rough Trade im Rücken haben. Doch was hat es mit dieser Band auf sich? Ist sie nur eine von vielen, die im New-Wave-Wahn der britischen Musikpresse zu uns hinüberwehen? Nur bedingt, denn etwas an Clap Your Hands Say Yeah mit ihrem gleichnamigen Debüt ist doch deutlich anders.


»Wenn Du singst, bis die Lunge blutet«

Leben an der Kitschgrenze: Tomtes neue CD Buchstaben über der Stadt

Das »Strukturmoment der Sorge sagt doch unzweideutig, dass im Dasein immer noch etwas aussteht, was als Seinkönnen seiner selbst noch nicht wirklich geworden ist. Im Wesen der Grundverfassung des Daseins liegt demnach eine ständige Unabgeschlossenheit. Die Unganzheit bedeutet einen Ausstand an Seinkönnen.« Schreibt Martin Heidegger in seinem Hauptwerk Sein und Zeit. Man kann es auch einfacher formulieren: Der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten bis zu dem Moment, in dem das »Dasein so existiert, dass an ihm schlechthin nichts mehr aussteht, dann« aber »auch schon in eins damit zum Nicht-mehr-da-sein geworden« ist, sprich: er (der Mensch) tot ist. Nicht gerade eines der naheliegendsten Themen für eine Popband. Könnte man nicht sogar fragen, ob sich das nicht von vornherein ausschließt: Pop und eine tiefsinnige Beschäftigung mit dem Leben? Thees Uhlmann, Sänger und Texter der Band Tomte, jedoch gelingt es, das in gewisser Weise zu verbinden.


»Thrown into space«

Jenny Weisgerbers Debüt-CD When Worlds Collide

Kann Musik schön-langweilig sein? Eine schwierige Frage, und doch stellt sie sich beim Hören des Albums When Worlds Collide von Jenny Weisgerber. Ziemlich schnell nämlich stellt sich das Gefühl ein: Alles schon einmal gehört! Das klingt so sehr nach Joni Mitchell wie nach Jonatha Brooke und allen, die in dieser Musikrichtung in den letzten 40 Jahren etwas hervorgebracht haben.


In die BRD mit der DSB

Die dänische Erfolgsband Nephew veröffentlicht ihr Album USA DSB in Deutschland

Als ich vor zwei Jahren, ohne wesentliche Kenntnisse in der Landessprache zu besitzen, nach Dänemark zog, war mein erster Kontakt mit dänischer Musik das Lied En Sang om Kærlighed von Tue West. "Kærlighed" ist das dänische Wort für Liebe, was mich damals sehr überraschte, ein so klangloses Wort für etwas so Schönes. Das machte mich etwas misstrauisch gegenüber der Idee, Musik mit dänischen Texten zu hören.ten zu hören.


Star ohne Glamour

Tief durchatmen mit Norah Jones

Ihre Musik wurde vor zwei Jahren über Nacht zu einem Phänomen: Dass die bis dahin weitgehend unbekannte Norah Jones im Februar 2003 acht Grammys gewann, wurde als modernes Erfolgsmärchen gefeiert. Der überraschende Erfolg rückte die junge Künstlerin in das Blickfeld einer internationalen Öffentlichkeit, ohne dass ihr kompositorisch bewusst sparsames und unprätentiöses Debütalbum Come away with me typischen Erscheinungsformen gängiger Popmusik zugeordnet werden konnte.


Urgesteine oder Uropas des Rock ’n’ Roll?

Die Rolling Stones und ihr neues Studioalbum A Bigger Bang

The Rolling Stones: A Bigger BangRock ’n’ Roll ist ein alter Mann. Sein Krückstock ist die Nostalgie und seine musikalische Energie eine Erinnerung an noch nicht Geschehenes. Ob jung, ob alt, wer immer sich dem Rock ’n’ Roll verschrieben hat, muss damit leben: Er hat sich irgendwie überlebt und – wird doch niemals sterben. Er ist Ansage an jugendliches Leben, den Neuanfang und auch die Naivität eines Kindes. Rock ’n’ Roll steckt in den Kinderschuhen, egal, wie alt seine Protagonisten auch sein mögen, wie oft man ihn totgesagt hat und wie viele Sandkastenfreunde schon gestorben sind.


»Ich geh jetzt eure GEZ-Gebühren versaufen«

c/o pop conference 2005 (I)

Ende August, es ist doch noch warm in Köln: die Pilger sind weitergezogen, nun macht sich die Medienmeute wieder breit. Faltige Männer mit schwarzen Brillen, junge Frauen mit Buttons an den Handtaschen - aha: Es ist c/o pop conference.


Letztlich bleibt es klanglos

„Die neue Mitte“, so stand es 1998 auf den Wahlplakaten der SPD, als sie es schaffte, das überkommene System Kohl abzulösen. Und vielleicht ist es etwas spät, ein Buch zu besprechen, das bereits 2001 unter dem Titel Wie klingt die neue Mitte? Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik erschienen ist, zumal die Popmusik ja in ständiger Bewegung bleibt. Doch letztlich beschreibt das Buch mit dem Einzug des Popstargehabes auf die politische Bühne eine Sache, die nicht nur von aktueller Wichtigkeit ist: „Pop seit den Neunzigern“, so Martin Büsser, „will fast immer Zugehörigkeit zur Mehrheit, zur Mitte – und die ist tendenziell rechts.“ „Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut“, sangen im Jahr 2000 Tocotronic, selbst kaum mehr zu den Jugendlichen zu rechnen, in Let There Be Rock.


Funk-Rosinchen auf »Solo«-Pfaden

Róisín Murphys Solo-Debüt-Album Ruby Blue

Es soll ja Leute geben, die behaupten, dass in der populär-kommerziellen Musik überhaupt nur Frauen befriedigende Ergebnisse abliefern. Und das nicht nur, weil sie in aller Regel einfach hübscher anzuschauen sind als ihre männlichen Sangeskollegen. Diese Musik-Radikalfeministen beiderlei Geschlechts hören den ganzen Tag CDs von Tori Amos, PJ Harvey, Björk, Heather Nova, Aimee Mann oder von der Ur-Mutter aller Frauen im Musikbusiness: Patti Smith. Arglose Einsteiger fangen mit CDs (und Postern) von Nelly Furtado oder Shakira an und deutsche Teenies werden mit Bands wie "Wir sind Helden" oder den von Plattenfirmen in deren Gefolge gepushten Frontfrau-Bands abhängig gemacht.


 

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