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»Wenn Du singst, bis die Lunge blutet«

Leben an der Kitschgrenze: Tomtes neue CD Buchstaben über der Stadt

Das »Strukturmoment der Sorge sagt doch unzweideutig, dass im Dasein immer noch etwas aussteht, was als Seinkönnen seiner selbst noch nicht wirklich geworden ist. Im Wesen der Grundverfassung des Daseins liegt demnach eine ständige Unabgeschlossenheit. Die Unganzheit bedeutet einen Ausstand an Seinkönnen.« Schreibt Martin Heidegger in seinem Hauptwerk Sein und Zeit. Man kann es auch einfacher formulieren: Der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten bis zu dem Moment, in dem das »Dasein so existiert, dass an ihm schlechthin nichts mehr aussteht, dann« aber »auch schon in eins damit zum Nicht-mehr-da-sein geworden« ist, sprich: er (der Mensch) tot ist. Nicht gerade eines der naheliegendsten Themen für eine Popband. Könnte man nicht sogar fragen, ob sich das nicht von vornherein ausschließt: Pop und eine tiefsinnige Beschäftigung mit dem Leben? Thees Uhlmann, Sänger und Texter der Band Tomte, jedoch gelingt es, das in gewisser Weise zu verbinden.


»Thrown into space«

Jenny Weisgerbers Debüt-CD When Worlds Collide

Kann Musik schön-langweilig sein? Eine schwierige Frage, und doch stellt sie sich beim Hören des Albums When Worlds Collide von Jenny Weisgerber. Ziemlich schnell nämlich stellt sich das Gefühl ein: Alles schon einmal gehört! Das klingt so sehr nach Joni Mitchell wie nach Jonatha Brooke und allen, die in dieser Musikrichtung in den letzten 40 Jahren etwas hervorgebracht haben.


In die BRD mit der DSB

Die dänische Erfolgsband Nephew veröffentlicht ihr Album USA DSB in Deutschland

Als ich vor zwei Jahren, ohne wesentliche Kenntnisse in der Landessprache zu besitzen, nach Dänemark zog, war mein erster Kontakt mit dänischer Musik das Lied En Sang om Kærlighed von Tue West. "Kærlighed" ist das dänische Wort für Liebe, was mich damals sehr überraschte, ein so klangloses Wort für etwas so Schönes. Das machte mich etwas misstrauisch gegenüber der Idee, Musik mit dänischen Texten zu hören.ten zu hören.


Star ohne Glamour

Tief durchatmen mit Norah Jones

Ihre Musik wurde vor zwei Jahren über Nacht zu einem Phänomen: Dass die bis dahin weitgehend unbekannte Norah Jones im Februar 2003 acht Grammys gewann, wurde als modernes Erfolgsmärchen gefeiert. Der überraschende Erfolg rückte die junge Künstlerin in das Blickfeld einer internationalen Öffentlichkeit, ohne dass ihr kompositorisch bewusst sparsames und unprätentiöses Debütalbum Come away with me typischen Erscheinungsformen gängiger Popmusik zugeordnet werden konnte.


Urgesteine oder Uropas des Rock ’n’ Roll?

Die Rolling Stones und ihr neues Studioalbum A Bigger Bang

The Rolling Stones: A Bigger BangRock ’n’ Roll ist ein alter Mann. Sein Krückstock ist die Nostalgie und seine musikalische Energie eine Erinnerung an noch nicht Geschehenes. Ob jung, ob alt, wer immer sich dem Rock ’n’ Roll verschrieben hat, muss damit leben: Er hat sich irgendwie überlebt und – wird doch niemals sterben. Er ist Ansage an jugendliches Leben, den Neuanfang und auch die Naivität eines Kindes. Rock ’n’ Roll steckt in den Kinderschuhen, egal, wie alt seine Protagonisten auch sein mögen, wie oft man ihn totgesagt hat und wie viele Sandkastenfreunde schon gestorben sind.


»Ich geh jetzt eure GEZ-Gebühren versaufen«

c/o pop conference 2005 (I)

Ende August, es ist doch noch warm in Köln: die Pilger sind weitergezogen, nun macht sich die Medienmeute wieder breit. Faltige Männer mit schwarzen Brillen, junge Frauen mit Buttons an den Handtaschen - aha: Es ist c/o pop conference.


Letztlich bleibt es klanglos

„Die neue Mitte“, so stand es 1998 auf den Wahlplakaten der SPD, als sie es schaffte, das überkommene System Kohl abzulösen. Und vielleicht ist es etwas spät, ein Buch zu besprechen, das bereits 2001 unter dem Titel Wie klingt die neue Mitte? Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik erschienen ist, zumal die Popmusik ja in ständiger Bewegung bleibt. Doch letztlich beschreibt das Buch mit dem Einzug des Popstargehabes auf die politische Bühne eine Sache, die nicht nur von aktueller Wichtigkeit ist: „Pop seit den Neunzigern“, so Martin Büsser, „will fast immer Zugehörigkeit zur Mehrheit, zur Mitte – und die ist tendenziell rechts.“ „Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut“, sangen im Jahr 2000 Tocotronic, selbst kaum mehr zu den Jugendlichen zu rechnen, in Let There Be Rock.


Funk-Rosinchen auf »Solo«-Pfaden

Róisín Murphys Solo-Debüt-Album Ruby Blue

Es soll ja Leute geben, die behaupten, dass in der populär-kommerziellen Musik überhaupt nur Frauen befriedigende Ergebnisse abliefern. Und das nicht nur, weil sie in aller Regel einfach hübscher anzuschauen sind als ihre männlichen Sangeskollegen. Diese Musik-Radikalfeministen beiderlei Geschlechts hören den ganzen Tag CDs von Tori Amos, PJ Harvey, Björk, Heather Nova, Aimee Mann oder von der Ur-Mutter aller Frauen im Musikbusiness: Patti Smith. Arglose Einsteiger fangen mit CDs (und Postern) von Nelly Furtado oder Shakira an und deutsche Teenies werden mit Bands wie "Wir sind Helden" oder den von Plattenfirmen in deren Gefolge gepushten Frontfrau-Bands abhängig gemacht.


Müssen wirklich alle mit?

Der übliche Weg, neue Musik kennenzulernen, ist wohl das Radio oder Musikfernsehen - gangbar zumindest für diejenigen, die sich durch nervtötendes Gedudel, das π ∙ Daumen 90% des Programms ausmacht, nicht abschrecken lassen. Sicher, daneben gibt es noch die bekannten Musikmagazine, die es sich mittlerweile lobenswerterweise auch zur Aufgabe gemacht haben, ihren Heften CDs beizulegen und somit nicht nur über Musik zu berichten, sondern sie auch hörbar vorzustellen. Leider findet man aber auch hier immer wieder die gleichen Todläufer. Was beim Rolling Stone einst unter dem Titel "New Voices" Musik an den Leser brachte, wird bei fortlaufender Nummerierung mittlerweile als "New Noises" weitergeführt. Tatsächlich enthielten nach einiger Zeit die CDs oft nur noch neue Songs bereits bekannter Stimmen. Um an neue Musik zu kommen, hilft am schmerzfreisten also nur zweierlei: entweder nette Leute, die anderes kennen, oder neue Magazine mit anderen Lieblingskünstlern. Doch bei aller Liebe zur Vielfalt kommt im allgemeinen das Deutschsprachige ein wenig kurz.


"Gekommen um zu bleiben"

Wir sind Helden überzeugen durch den Mut, sich treu zu bleiben und doch frischer zu klingen

Cover des neuen Helden-AlbumsVon der Konsumkritik der Band Wir sind Helden profitierten vor allem die Plattenfirmen, die im vergangenen Jahr, nicht zuletzt dank deutschsprachiger Produktionen, ein starkes Umsatzplus verbuchen konnten, nachdem in den Jahren zuvor immer weniger Kunden den Weg in die Läden gefunden hatten. Wie lange der von Wir sind Helden ausgelöste Deutschpopboom anhalten wird, ob er sich als ähnlich schnell verlebte Mode erweist, wie seinerzeit etwa die Hamburger Schule, ein Konglomerat verschiedenster Bands, die, kaum dass sie einen Plattenvertrag erhalten hatten, schon wieder auf der Straße standen, weil sie die in sie gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllen konnten, wird sich zeigen müssen.


 

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