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Getürkte Geschichten mitten aus dem Leben

Theater Bonn und fringe ensemble auf Expeditionstour durch das ›türkische‹ Bonn

Biennale Bonn 2008 (Logo)Der Ort des Geschehens an diesem Abend: das Frankenbad. Nirgends sonst in Bonn ist man so nah an der türkischen Kultur wie hier in der Bonner Altstadt. Tragendes Element der abendlichen »Expedition«, auf die Theater Bonn und fringe ensemble ihre Besucher schicken, sind O-Töne der türkischen Mitbürger Bonns. Neun Geschichten, getürkt werden erzählt, die in keiner Weise erfunden sind, sondern mitten aus dem Leben stammen.


Der Alptraum vom Fliegen

Die Kammerspiele Bad Godesberg werden für Yesim Özesoy Gülans Letzte Welt zum Flugsimulator

Biennale Bonn 2008 (Logo)Das Stück Son Dünya (Letzte Welt) beginnt schon am Eingang des Theaters: Wer eintreten will, muss sich erst einmal den örtlichen Sicherheitskontrollen unterziehen. Warum? Weil das Theater nicht länger Theater, sondern ein Flugplatz ist. Die Sicherheitsschleusen sind passiert. Die Gefahr von Terroranschlägen ist gebannt. Als die Zuschauer endlich durch Eingang – Pardon: Gateway A eintreten dürfen, warten auf der Bühne schon die Protagonisten: ein Geschäftsmann, eine Frau und ein weiterer jüngerer Mann. Sie sitzen in Flugzeugsesseln, kurz vor dem Start der Maschine. Sie lesen, schlafen, tun, was man eben so tut, damit die Zeit vergeht. Nichts verbindet sie. Vollkommene Anonymität. Ruhige Sphärenmusik wabert durch den Raum; man wiegt sich in Sicherheit.


Das Leben des Muharrem

Özer Kiziltans Drama Takva– Gottesfurcht eröffnet ungewöhnliche Einblicke in ein Leben mit dem Islam

Biennale Bonn 2008 (Logo)Welche Auswirkung hat unser tägliches Umfeld auf unsere Werte, auf das, was wir glauben? Der Film Takva zeigt fast dokumentarisch den Moslem Muharrem, der noch glaubt, an Werte und Gebote. Seine kleinen Rituale und die Strukturen seines Alltags lenken den Blick auf ein Leben, das sich ganz der Religion und der Arbeit verschrieben hat.


Atemlos

Modern Dance Turkey Ankara begeistern mit rasanter Geschwindigkeit, viel Gefühl und sehnsuchtsvollen Bildern

Biennale Bonn 2008 (Logo)Die große weiße Bühne blendet beinahe. Auf dem Boden drei Quadrate, auf jedem eine Frau. Die Musik setzt ein, die Körper zittern, beben und ein energiegeladener Tanz ohne Atempause beginnt. Sie scheinen verzweifelt, wälzen sich auf dem Boden, schmeißen sich hin, wie einer Ohnmacht nahe, springen wieder auf, ihre Haare wehen. Man ist von dieser Hektik, dieser fordernden Musik mitgerissen. Das erste Stück des Abends Ani Toplayicisi (Der Sammler von Momenten) in der Choreographie von Devrim İleri lässt einem keine Ruhe, man wird von der wahnwitzigen Geschwindigkeit der Tänzer überrollt.


Mitgemacht!

Das Biennale-Tagebuch: Uyarca (Der Mitmacher)

Tagebuch zur Biennale Bonn 2008 (Logo)Was erlebt die Betreuung der Festivalleitung? Welche Aufgaben stellen sich dem Betreuer einer Künstlergruppe und welche Erfahrungen macht man bei der Begleitung von Veranstaltungen? Unser Tagebuch zur Biennale Bonn :Bosporus 2008 ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und zeigt, wie die Teilnehmer eines Projektseminars am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn an der Organisation der Biennale beteiligt sind und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln. Heute berichtet David Prochnow von seinen Erlebnissen bei der Betreuung der Produktion Uyarca (Der Mitmacher) des Staatstheaters Istanbul.


Eine soziologische Versuchsanordnung

Biennale Bonn 2008 (Logo)Man kommt beim Personal von Friedrich Dürrenmatts Der Mitmacher schnell auf die Idee, es handle sich um eine schematische Darstellung der Welt. Da ist der Wissenschaftler, genannt Doc. Der Mafiaboss, genannt Boss. Der Polizeichef Cop. Ach ja, und Ann, die Femme Fatale, Bill, der Millionenerbe. Und Jack und Jim und Sam und Joe. Die hat man aber schnell wieder vergessen. Die Figuren scheinen genauso einsilbig und austauschbar wie ihre Namen. Wer auf diese Finte hereinfällt, der verkennt nicht nur Dürrenmatt, sondern auch das Ensemble des Istanbuler Staatstheaters. Unter der Regie von Sakir Gürzumar wurde das späte Bühnenstück Dürrenmatts (türkisch: Uyarca) seit der Spielzeit 2005/06 produziert und dort seither außerordentlich erfolgreich aufgeführt. Die (vermeintlichen) Stereotypisierungen sind keine Vereinfachungen.


Haarsträubende Endlosigkeit

Biennale Bonn 2008 (Logo)Vorsichtig tastet sich Zajo mit seinen Füßen an Mischkadora heran. So vorsichtig, als hätte er etwas zu verlieren. Jedem seiner Schritte folgt ein Wasserplätschern. Er stupst sie an, doch sie rührt sich nicht. Grelles Licht erscheint. Vorbei, es war nur ein Traum. Denn in Wirklichkeit haben Mischkadora, Zajo und Bin nichts zu verlieren, nicht einmal ihr Leben. Sie sind die letzen drei Überlebenden in einer endlosen Warteschleife einer gottlos verlassenen Welt.


Wenn Häuserwände zur Leinwand werden

Tagebuch zur Biennale Bonn 2008 (Logo)Was erlebt die Betreuung der Festivalleitung? Welche Aufgaben stellen sich dem Betreuer einer Künstlergruppe und welche Erfahrungen macht man bei der Begleitung von Veranstaltungen? Unser Tagebuch zur Biennale Bonn :Bosporus 2008 ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und zeigt, wie die Teilnehmer eines Projektseminars am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn an der Organisation der Biennale beteiligt sind und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln. Heute berichtet Ute Friederich von ihren Erlebnissen bei der Betreuung von »A Wall is a Screen«.


Der visuelle Historiker

Biennale Bonn 2008 (Logo)Ara Güler, aus einer armenischen Apothekerfamilie stammend, wurde durch seine Faszination zum Kino zu einem weltweit bekannten und bedeutenden Repräsentanten der künstlerischen Fotografie. 1999 er zum Fotografen des Jahhunderts ernannt und damit für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Somit sind die Erwartungen an die Fotoausstellung »Das Auge des Jahrhunderts«, die im Rahmen der Biennale Bonn :Bosporus 2008 im Rheinischen Landesmuseum zu sehen ist, groß. Was hat Ara Güler, was andere nicht haben? Was wird an seinen dargestellten Menschen, ihrem Alltag in den 50er, 60er und 70er Jahren in der Türkei besonders sein? Inwiefern überzeugt er durch seine Schwarz-Weiß-Fotografien, die vorrangig Hafenlandschaften und Straßen Istanbuls zeigen?


Euro-asiatischer Brückenschlag im Reich der Wissenschaft

Biennale Bonn 2008 (Logo)Wie bei den vergangenen zwei Theaterfestivals in den Jahren 2004 und 2006 helfen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Studenten bei der Organisation der Biennale mit. Die Vorbereitung erfolgte im Rahmen des Projektseminars »Bosporus am Rhein. Biennale Bonn 2008« am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft. Aber nicht nur Studenten der Germanistik sind vor und während der Biennale engagiert, zum Team gehören etliche Studenten verschiedenster Fachrichtungen, darunter auch mehrere aus dem Bereich der Asienwissenschaften. Mit dieser Fachrichtung ist die Kooperation im Rahmen der diesjährigen Biennale zum Themenschwerpunkt Bosporus besonders eng ...


 

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