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Der vergessene Araber

Kamel Daouds Debütroman Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung ist ein Dokument postkolonialer Selbstreflexion

70 Jahre ist es her, dass die Sonne Meursault das Hirn verbrannte und er vier Kugeln auf einen ihm völlig Unbekannten abfeuerte. Doch nachdem Albert Camus‘ Der Fremde (1942) jahrelang Prestige genoss, zieht Kamel Daoud in seinem Debütroman Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung den mörderischen Helden endlich zur Rechenschaft, denn Mord verjährt bekanntermaßen nicht – erst recht nicht in der Literatur.


Laut und leise, brav und skandalös, konventionell und doch bizarr – kurzum: Eine Aufführung voller Gegensätze. Die Rede ist von Sandra Strunz' Inszenierung der Buddenbrooks nach dem Roman von Thomas Mann, die seit dem 17. November in den Kammerspielen in Bad Godesberg zu sehen ist. Während sich der Verfall der berüchtigten Kaufmannsfamilie im Buch allmählich herauskristallisiert, kommt er in der Bühnenfassung des Theater Bonn als dramatischer Bruch daher, der alle Erwartungen hinter sich lässt.

Dass die Themen Bürgerkrieg und Terrorismus nicht zu trennen sind, legte der italienische Philosoph Giorgio Agamben bereits kurz nach dem 11. September 2001 in zwei Vorträgen an der Universität von Princeton nahe. Nun sind seine Ausführungen in deutscher Übersetzung im Band Stasis. Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma erschienen. Sie zeigen den italienischen Philosophen nicht nur als brillanten Essayisten, sondern auch als wichtigen Denker der Gegenwart.